Freitag, 18. November 2016

Reise ins Heilige Land (IV): Besetzte Gebiete, neue Häuser


Auf der Fahrt nach Nablus fallen mir in den Vororten eine Reihe von schönen neuen Häusern auf, die ich schon vor einigen Jahren in ähnlicher Weise gesehen habe, die jetzt aber offenbar an Zahl zugenommen haben. Es sind meist mehrgeschossige Häuser, alle aus dem schönen gelblich-weißen Kalkstein gebaut, der hier in der Gegend in den Steinbrüchen zu finden ist.

Die Israelis nennen ihn Jerusalemstein, auch Meleke, den "Königlichen", die Palästinenser sagen "Heilig-Land-Stein". Er wird in große Blöcke von etwa 40 × 20 cm Kantenlänge geschnitten, wobei die Größe des Steins in vielen Gebäuden annähernd gleich ist. So entsteht unter den Häusern auf beiden Seiten der Demarkationslinie eine einheitliche Erscheinung, die vielfach eine sehr schöne Wirkung entfaltet.


Donnerstag, 17. November 2016

Reise ins Heilige Land (III): Christ und Türk


Im Hintergrund eines der "Hörner von Hattin"
Unsere zweite Übernachtungsstation ist das Gästehaus der Familie Shavit im Dorf Arbel*, hoch über dem See Genezareth. Der Blick aus unserem Fenster geht zu den "Hörnern von Hattin", einem markanten Doppelberg, an welchem die Muslime unter der Führung des Feldherrn Saladin in der Schlacht von Hattin im Jahre 1187 die christlichen Kreuzfahrer entscheidend schlugen und dann wenig später Jerusalem für den Islam zurückerobern konnten.

Zwar handelt es sich nicht um einen türkischen Sieg, die Türken lebten damals überwiegend noch in Zentralasien, aber die Schlacht von Hattin gehört zusammen mit der türkischen Eroberung von Konstantinopel und deren Belagerung von Wien zu einer Serie von Schreckensbildern, die tief in den Herzen der Christen ihre Angst vor den Muslimen nährt.

Mittwoch, 16. November 2016

Reise ins Heilige Land (II): Glaube und Unglaube am See Genezareth


In dem Moment, als unser kleiner Mietwagen die Straße am Seeufer verlässt und in die Bergstraße nach Obergaliläa einbiegt, denke ich daran, dass  Nureddin und ich den See möglicherweise zum letzten Mal in unserem Leben sehen. Nureddin ist vornehmlich in Israel, um in Jerusalem zu beten. Wenn er je wiederkommen wird, dann nur, um Jerusalem noch einmal zu sehen. Ich selbst bin von der nervösen Stimmung meiner langen Vorbereitungszeit noch ganz durchdrungen und trage den Vorsatz in mir, den Rest meines nun bald 70jährigen Lebens nur noch kurze und einfache Reisen zu machen.

Reise ins Heilige Land (I): Mit muslimischen Augen sehen



Mein Reisebegleiter und Freund Nureddin wollte immer schon einmal nach Jerusalem, um am zweitheiligsten Platz der Muslime, der al-Aqsa-Moschee zu beten. Ich wiederum wollte noch einmal meine Freunde aus den Wanderungen auf dem Abrahamsweg sehen, und so wurde unser Plan geboren, eine gemeinsame Reise nach Israel und Palästina zu unternehmen.

Schon am ersten Abend wurde mir klar, dass ich mit der Hilfe von Nureddins muslimischen Augen sehr viel mehr sehen würde als nur mit meinen eigenen. Er hat eine ganz eigene Antenne für das muslimische Leben in Israel. Gleich zu Beginn unserer Reise erlebten wir in der alten palästinensischen Staat Jaffa gemeinsam das etwas zurückgebliebene Leben, das man an vielen Orten des Mittelmeers wie eine Erinnerung an alte osmanische Zeiten erleben kann. Die Straßen in der Altstadt sind eng, die Häuser sind in einem manchmal nicht mehr allzu guten Erhaltungszustand und die Strom- und Telefonkabel sind über die Fassade geführt. Aber die Gerüche aus den Imbissständen und den Restaurants und die Geräusche aus den Geschäften sind einladend und verheißungsvoll.

Sonntag, 30. Oktober 2016

Berlin 1934 / Ankara 2016

Weltkongress der Baptisten 1934 in Berlin
Eine Geschichte meiner baptistischen Kirche, zu der ich praktisch seit meiner Geburt gehöre und der mein Großvater Erwin Bohle als Prediger gedient hat. Möglicherweise war er beim Weltkongress der Baptisten 1934 in Berlin dabei, er war damals 37 Jahre alt.

Eine amerikanische Delegation besuchte damals den Weltkongress, darüber berichtet später (1982) ein Artikel in Religion Online. Man wusste in Amerika bereits vor Antritt der Reise nach Deutschland von den Säuberungen im Zusammenhang mit dem Röhm-Putsch und von beginnenden Zwangsmaßnahmen gegen die Juden. Wie sollte man sich zu den politischen Entwicklungen in Deutschland stellen? Sollte man überhaupt einen Kongress in Deutschland besuchen?

Dienstag, 20. September 2016

Kathedralen der Neuzeit


Aus der seligen Zeit, in der Robert Gernhardt und F.K.Waechter noch ihre Karikaturen, Reime und Geschichten veröffentlichten, ist mir eine „Legende“ in Erinnerung, die in etwa wie folgt erzählt wird: die englische Königin Victoria habe sich einmal während einer Jagd tief im Unterholz verirrt, wo ihr ein besonders großer Hirsch mit einem goldenen Kreuz im Geweih erschienen sei Der habe ihr den Rückweg gewiesen. Die vollkommen ergriffene Königin gelobte sogleich, an dieser Stelle  einen Bahnhof zu bauen. So kam es zum Bau der Victoria Station.

Donnerstag, 15. September 2016

Wanderungen in der Mark Brandenburg (VI): Berlin als Endziel?

Unser Urlaub hier im Havelland in der Nähe von Berlin sollte hauptsächlich dazu dienen, unsere vier in Berlin lebenden Kinder, deren Partner und die vier Enkelkinder noch einmal lange und ausgiebig sehen zu können. Das ist auf wunderbare Weise gelungen, bei bestem Wetter. Wir sind wieder zu Hause in Remscheid und blicken auf viele schöne Tage zurück.

So ein bisschen stand bei unserer Reise aber zweitens auch die Frage im Hintergrund, ob wir uns nach unserem Eintritt ins Rentnerleben auch in Berlin oder im Umland niederlassen könnten. Diese Frage ist nicht so ganz leicht zu beantworten.