Angelika Neuwirth hat für die Entstehung des koranischen
Begriffs von Gerechtigkeit ein schönes Bild. In der Sure 90 "Die
Stadt", in der es eindrückliche Bilder von sozialer Gerechtigkeit gibt,
Bilder, die unmittelbar dem Alten Testament entnommen sein könnten, wird
zunächst auf die menschliche Schöpfung Bezug genommen (Q 90: 8-9)
Haben wir ihm nicht zwei Augen eingesetzt
und eine Zunge und zwei Lippen?
Frau Neuwirth führt aus, dass es in einer anderen
Koranstelle (Q 82:7) heißt, Gott habe den Menschen "erschaffen, fein
gebildet und ins Gleichgewicht gebracht". Das arabische Wort für
Gleichgewicht (addala) ist das Stammwort für das spätere Wort für Gerechtigkeit
(adl). Die Symmetrie der menschlichen Ausformung, das schöne Gleichgewicht, ist das Urbild für
Gerechtigkeit, ganz ähnlich wie das Bild der ebenfalls symmetrischen Waage.





