Mittwoch, 18. August 2021

Neun Könige und zehn Schlösser (III)

Der zweite preußische König, der „Soldatenkönig“ hat Soldaten geliebt und hat besonders die "langen Kerls" fast wie Sammlerstücke behandelt. Aber er ist nur ein einziges Mal mit ihnen in den Krieg gezogen. Sein Sohn dagegen, der zweite Friedrich, hat die Philosophie und das Flötenspiel geliebt, hat dabei aber eine ganze Reihe von Kriegen geführt, darunter den zur Eroberung von Schlesien. 

In meiner Heimatstadt hängt ein Bild von ihm in der Gaststätte „König von Preußen“, in dem er den Betrachter seitlich über die linke Schulter anschaut: das linke Auge weit aufgerissen, das rechte dagegen eher klein.

Mein Vater konnte die Leute auf gleiche Weise ansehen – ein Auge größer als das andere – und er hat mir einmal gesagt, dieser Blick sei in Hitlers Wehrmacht von vielen Leuten genutzt worden, um Eindruck zu machen. Mein Vater hatte den Blick offenbar selbst auch geübt. Im Internet habe ich ihn leider nicht gefunden - wenn überhaupt, dann bei Hans Albers. Aber ich denke, man kennt ihn.

Dienstag, 17. August 2021

Neun Könige und zehn Schlösser (II)

Auf den ersten Friedrich folgte der erste Friedrich Wilhelm, der „Soldatenkönig“.

Er hat sich tief in Seele und Gemüt der Deutschen eingegraben, nachdem er sich als einer der grausamsten Väter der Weltgeschichte erwies und den besten Freund seines 18jährigen Sohnes vor dessen Augen enthaupten ließ. Die beiden wollten nach Frankreich verschwinden, der König hat sie als desertierende Soldaten verurteilen lassen.

Das war im Jahre 1730. Theodor Fontane hat 130 Jahre nach dieser Hinrichtung in der Grabkammer der Familie Katte gestanden und hat dort im offenen Sarg den sauber vom Rumpf getrennten Kopf des armen Hans Hermann von Katte gesehen.

Der von seinem Vater so gequälte Sohn, der zweite Friedrich, später „der Große“ genannt, hat eigenartigerweise den Großvater offen wegen dessen Verschwendungssucht kritisiert und den Vater offenbar zumindest dafür verehrt, dass der Soldatenkönig ihm, dem König vieler Schlachten, eine funktionierende Armee hinterlassen hat. Der Soldatenkönig selbst hat nur einen einzigen Krieg geführt und dabei Stettin gewonnen. Er hat Soldaten eigentlich nur gesammelt, am liebsten die "Langen Kerls", das genügte ihm.

Montag, 16. August 2021

Neun Könige und zehn Schlösser (I)

Schloss Charlottenburg
Der erste in der Reihe der preußischen Könige hieß Friedrich. Seine Nachfolger hießen alle ebenfalls entweder Friedrich oder Friedrich Wilhelm. Das änderte sich erst, als der vierte Friedrich Wilhelm kinderlos starb und von seinem Bruder beerbt wurde. Der hieß ausnahmsweise Wilhelm, nannte seinen Sohn aber wiederum Friedrich, und dieser gab am Ende dem letzten in der Reihe der neun Könige noch einmal den Namen Wilhelm. Insgesamt gab es vier Friedrich Wilhelms, drei Friedrichs und zwei Wilhelms.

Die letzten drei preußischen Könige waren gleichzeitig auch deutsche Kaiser, aber wenn man sie gefragt hätte, was ihnen wichtiger war, König oder Kaiser zu sein, hätten sie wahrscheinlich König gesagt.

Sonntag, 15. August 2021

Neun Könige und zehn Schlösser (Übersicht)

Kirche in Werder
In unserem Urlaub in Werder an der Havel können wir unsere Touren so einrichten, dass wir von jedem der neun preußischen Könige zumindest eine Erinnerung finden. Am einfachsten ist das natürlich, wenn man das Schloss besucht, in dem der jeweilige König gewohnt hat. Das haben wir in den letzten Urlauben hier gemacht und wollen es weiter versuchen.

Vorab eine Übersicht: die neun preußischen Könige haben von 1701 bis 1918 regiert, die letzten drei gleichzeitig auch als deutsche Kaiser. Sie haben Schlösser gebaut, von denen ich erzählen will. Ein berühmtes Schloss gehört als zehntes ebenfalls in diese Ahnenreihe: Cecilienhof, Ort der Potsdamer Konferenz 1945. Es wurde für den Sohn des letzten Königs und dessen Frau Cecilie gebaut, aber nie von einem König bewohnt.

Die neun Könige haben ihren Thron in der Regel an ihren ältesten Sohn vererbt, zwei der neun verstarben kinderlos, wodurch ihr Bruder oder ihr Neffe König wurde. Alle Könige waren wenigstens zehn Jahre im Amt, Friedrich II. (der Große) sogar 46 Jahre. Die Ausnahme bildet Friedrich III, der 1888 im Jahr seiner Krönung an Krebs starb. 

Donnerstag, 5. August 2021

72 Jahre, 6 Monate und 25 Tage

Mein heutiges Alter entspricht auf den Tag genau dem Alter meines Großvaters Adolf Runkel, als dieser am 22. Oktober 1961 verstarb. Ich habe über seinen eigenartigen Tod berichtet - er starb bei der Einweihung einer kleinen Kirche, die er als Bauunternehmer errichtet hatte. Das nebenstehende Foto zeigt ihn wenige Minuten vor seinem Tod.

Später habe ich noch einen Blog-Bericht hinzugefügt, in dem man seine letzte Rede, die er bei der Schlüsselübergabe hielt, hören kann. 

Der mütterliche Großvater Erwin Bohle starb kurz vor seinem 60. Geburtstag. Auch an den Tag, an dem ich so alt war wie er damals, habe ich im Jahr 2008 im Blog erinnert.




Donnerstag, 24. Juni 2021

Unter Frommen

 

Leseprobe aus meinem Buch "Unter Menschen".

Ich bin vom ersten Tag meines Lebens an für ein Leben in einer strengen, wenn auch nicht immer in letzter Konsequenz zu lebenden Frömmigkeit erzogen worden. Es wurden mir, das machte die Sache einfach, nicht viele Alternativen dazu angeboten. Alle Menschen in meinem frühen Gesichtsfeld waren im weiten Sinn fromm. Das betraf zumindest den engeren Kreis der Familie ein. Unter den Eltern und Großeltern und aus meiner kindlichen Perspektive gesehen wohl auch unter den Onkeln und Tanten gab es niemanden, der sein Leben so führte, dass es dabei auf die Existenz Gottes nicht angekommen wäre.  Alles, was diese mir nahen Menschen zu den tieferen Fragen des Lebens zu sagen hatten, schloss ganz selbstverständlich das Vorhandensein Gottes ein, daran war kein Zweifel.

Sonntag, 13. Juni 2021

Ein Goldstück

 


Jeremia
Nachdem ich mich beim Durchlesen der gesamten Bibel durch das Buch Jeremia gearbeitet hatte, erwartete ich angesichts des Titels „Klagelieder“ im nächsten Buch eine Fortsetzung, ja Steigerung der düsteren Prophetenworte. 

Aber ich fand ein Goldstück. Zwar musste ich mich zunächst noch einmal mit der finsteren Wirklichkeit eines unsäglich gestraften Volkes unter der Geißel fremder Völker beschäftigen. Die ersten zwei Kapitel der Klagelieder steigern hier sogar noch einmal die Schilderung der Strafen, indem sie eine Art von epischem Gedicht einfügen: 22 Gruppen von je drei Versen, jeweils mit einem der 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets beginnend.