Donnerstag, 24. Oktober 2013

Die Entstehung der Aleviten - eine neuzeitliche Geschichte





Wer um das Jahr 1850 das Gebiet der heutigen Türkei bereiste, dürfte damals kaum auf Aleviten gestoßen sein. Dass sie trotzdem nach der Gründung der modernen Türkei mit einem Anteil von 15% an der Gesamtbevölkerung in den Statistiken als bedeutende Gruppe aufgeführt wurden, ist auf einen großen politischen Kunstgriff zurückzuführen, dessen Mechanismen Markus Dressler sehr kenntnisreich offenlegt. Man wird beim Lesen seines Buches Zeuge eines oft verzweifelten und blutigen, am Ende aber erfolgreichen Kampfes der Türken um einen eigenen nationalen Charakter. Dressler beschreibt die Auseinandersetzungen aus großer Nähe, ist dabei aber nie schnell mit einem moralischen Urteil bei der Hand.

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Mein Onkel Johannes


Meine Großeltern mit ihren Söhnen.
Hinten links mein Vater Adolf Runkel,
in der Mitte Hermann, rechts Johannes
Heute jährt sich sein Todestag zum zehnten Mal: Johannes Runkel, geboren 1925, der jüngere Bruder meines Vaters, fast 20 Jahre unser Nachbar, zehn Jahre mein Chef im Unternehmen der Familie, lebenslang eine Identifikationsfigur, im Guten wie manchmal auch im Schlechten. Er konnte Klavier spielen. Ich hörte ihm als Kind abends mit an die Wand gepresstem Ohr zu und versuchte am nächsten Tag seine schönen Harmonien, für die er keine Noten brauchte, und seinen weichen Anschlag zu imitieren.

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Kohelet - nicht das Ende der Geschichte

Während des Nachmittagskaffees bei unserem ersten gemeinsamen Zusammentreffen hat mir Kim Strübind sehr schön erklärt, warum er den Prediger Salomonis, das Buch "Kohelet", wie man besser sagt, so sehr liebt. In diesem Buch wird aufgezeigt, dass es den Tuns-Ergehens-Zusammenhang zwischen einem gottgefälligen Leben und einem entsprechenden Segen von oben nicht gibt. Hier widerspricht das Buch Kohelet (ebenso wie das Buch Hiob und Teile der Psalmen) der optimistischen Annahme der früheren Bibelbücher, die lehren, dass es den Gerechten gut geht und dass der Ungerechte schon bald die Strafe für sein böses Tun erhält.

Montag, 23. September 2013

Papstworte - und eine Geburtstagfeier



Die kleine Stadt L. im Märkischen Kreis, der 50. Geburtstag von Juan, einem spanischen Freund, der hier in L. geboren wurde, eine große bunte Schar von Gästen, von denen ich nur eine Handvoll Leute kenne, laute Musik, die jede Unterhaltung unterbindet, eine sehr säkulare, sorglose Gesellschaft nach meinem Empfinden, für mich die einzige Freizeitgestaltung deshalb: Essen und Trinken, Schlange stehen vor dem Büffet.

Sonntag, 15. September 2013

Getarnte Touristen


Natürlich wird es mir nie gelingen, mich so zu tarnen, dass ich im Ausland nicht als Tourist erkannt werde. Trotzdem tue ich einiges dafür, um so normal wie möglich durch eine fremde Stadt zu gehen. Dabei hat mir neuerdings die moderne Technik ein unerwartet hilfreiches Mittel zur Verfügung gestellt: die ins iPhone eingebaute Kamera. Früher trug ich als Erkennungszeichen des internationalen Touristen eine Spiegelreflexkamera „am Bande“. Man trug sie, alle trugen sie, und zwar trug man sie gerade so wie einen staatlichen Orden an Brust oder Bauch mit sich herum.

Samstag, 14. September 2013

Die größte Moschee der Türkei






Sabancı-Moschee in Adana 
Einen der unerwarteten Höhepunkte unserer Reise hätten wir um ein Haar verpasst: die Sabancı -Zentral-Moschee in Adana. Sie ist die größte Moschee der Türkei. Vermutlich gehört sie außerdem zu dem Dutzend der größten Moscheen der Welt, wenn man als Maßstab die Zahl der überdachten Plätze ansetzt. Es sind in Adana 28.500, das ist zwar verglichen mit der Million, die für die Al-Haran-Moschee in Mekka angegeben wird, keine große Zahl. Aber in Mekka findet nur ein Bruchteil der Menschen einen Platz unter einem Dach, in Adana dagegen alle.

Freitag, 13. September 2013

Über Nacht gebaut

In der Türkei kann man lernen, ein illegal errichtetes Gecekondu von einem regulär geplanten und genehmigten Gebäude zu unterscheiden. Man braucht nicht viel Beispiele und Erklärungen dazu. Ein Gecekondu ist wie ein Zelt, das jemand über Nacht (gece) aufgeschlagen (kondu) hat. Es genießt bereits am nächsten Morgen Bestandsschutz und muss nicht wieder vom Ort entfernt werden, auch wenn der Grundstückseigentümer das verlangt. Ähnliches Recht gibt es in vielen Ländern der Welt, zumindest für Grundstücke, die sich im Allgemeinbesitz befinden. Man kann sich sein Grundstück ersitzen, englisch "to squat", dann ist man also ein Squatter, oder man baut sich zusammen mit anderen seine Favella, seine Shantytown, Worte für diese Wohnform und Lebensart gibt es wohl fast so viele wie es Sprachen gibt.