Als ich in der vergangenen Nacht das silberne Licht des Vollmondes auf dem Fußboden unseres Esszimmers schimmern sah, dachte ich an den Tag vor 70 Jahren zurück, an dem Esther geboren wurde. Es war ein Samstag, und in meiner Erinnerung hat sich festgesetzt, dass unser Vater zum ersten und einzigen Mal in meinem Leben die Schulbrote schmierte. Früh am Morgen hatte er den Anruf aus dem Krankenhaus bekommen, der Esthers Geburt meldete. Er hatte daraufhin ein wenig mürrisch Worte gemurmelt, in denen "Weiberwirtschaft" vorkam. Er erfuhr durch diesen Anruf, dass er jetzt drei Töchter hatte.
Dienstag, 3. März 2026
Meine Schwester Esther, heute 70 Jahre alt
Mittwoch, 10. September 2025
Meine beiden Großväter in Gestapohaft
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| Erwin Bohle 1897 - 1957 |
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| Adolf Runkel 1889 - 1961 |
Der hoch dekorierte und von den Nazis gefeierte Werner Mölders hatte an einen Freund geschrieben, dass er auch im Krieg an seinem Glauben festhalte und den spottenden ungläubigen „Lebensbejahenden“ ein Beispiel gebe, wie die vermeintlich „lebensverneinenden
Katholiken“ im Kampf "seelische Stärke" bewiesen. Die Gestapo hatte diesen Absatz als
Kritik am nationalsozialistischen Regime angesehen und im ganzen Reichsgebiet
versucht, die Verbreitung dieses Briefes zu verhindern.
Was die Gestapo wusste, die Großväter allerdings nicht, war,
dass der Brief eine Fälschung war. Für die Gestapo war es leicht, dies herauszufinden,
weil der Adressat des Briefes gar nicht existierte. Zwar hatte Mölders einen
ähnlichen Brief geschrieben, der seinen katholischen Glauben bestätigte, der
aber die kritische Passage nicht enthielt. Beide Briefe sind im Internet dokumentiert. Mölders war zum Zeitpunkt der
Verteilaktion bereits einige Monate tot, nachdem er im November 1941 als
Passagier eines Linienfluges bei dessen Absturz nahe Breslau ums Leben gekommen
war.
Die ganze Geschichte der Fälschung ist erst viele Jahre nach
dem Krieg herausgekommen, als ein Offizier des britischen Geheimdienstes seine
Lebenserinnerungen aufgeschrieben hatte. Das geschah in den sechziger Jahren, da
waren die beiden Großväter bereits verstorben.
Sie haben bis zum Ende ihres Lebens geglaubt, eine gute
Sache vertreten und der deutschen Wehrfähigkeit eher genutzt als geschadet zu haben. Dass
sie dafür in Untersuchungshaft genommen wurden, haben sie als großes Unrecht
empfunden und haben zusammen mit ihren Angehörigen alles in ihrer Macht Stehende getan, um wieder frei zu
kommen. Für den mütterlichen Großvater Erwin Bohle hat seine Frau Lina gekämpft, sie hat sich in den Zug nach Berlin gesetzt, um dort bei
dem Gauleiter Wilhelm Bohle vorzusprechen, einem hohen Funktionär in der
Nazihierarchie und entfernten Verwandten. Er hat ihr offenbar geholfen, denn in
den Akten, die viele Jahre später mein Onkel Manfred Bohle eingesehen hat,
steht ein Eintrag, dass der Großvater auf Anweisung von Berlin freigelassen
worden sei.
Der andere Großvater kam ebenfalls frei, nachdem sein Bruder
Gustav, Mitgesellschafter in der Bauunternehmung der Familie, eine hohe Summe
hinterlegt und darauf verwiesen hatte, dass sein Bruder ein dem
nationalsozialistischen Denken durchaus nahestehender Mann war. In der Tat war
er schon vor dem Jahr 1933 Parteimitglied der NSDAP geworden.
Dass die beiden Männer sich nach dem Krieg über einen gemeinsamen Enkel - für beide der erste - freuen würden, nämlich mich, war 1942 noch nicht abzusehen. Die beiden gehörten unterschiedlichen Freikirchen an, von denen die von Großvater Adolf etwa ab 1938 verboten war, weil sie einige Auflagen der Nationalsozialisten nicht erfüllen wollte. Die Freikirche von Großvater Erwin, die Baptisten, deren Pastor er war (damals sagte man „Prediger“), konnte dagegen die Zeit des Dritten Reiches von den Nazis unbehelligt überleben, war dabei in gewisser Weise auch ein Refugium für Leute von Adolfs verbotener „Versammlung“ und hatte Zulauf von dort. Mein Vater hatte auf die eine oder andere Art und Weise Freunde unter den Baptisten gefunden und hatte 1944 Erwins Tochter Sigrid einen Heiratsantrag gemacht, war damals allerdings von ihr abgewiesen worden.
Erst nach dem Krieg konnte mein Vater den Heiratsantrag
wiederholen und wurde erhört, wohl auch deshalb, weil ein Mitbewerber um die
Hand meiner Mutter in den letzten Kriegstagen gefallen war.
Die beiden haben schließlich im Januar 1948 geheiratet, ein Jahr später
wurde ich geboren, zur Freude auch von Adolf und Erwin.
Samstag, 22. April 2023
Meine Lehmpfuhl-Familie
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| August Lehmpfuhl (1852 bis 1931) |
Die auf dem Familientreffen versammelten Verwandten waren
überwiegend aus der vierten, fünften und sechsten Generation nach August
Lehmpfuhl. Von der dritten Generation, der Generation meiner Mutter, lebt niemand
mehr.
Wir trafen uns in der Baptistengemeinde im Berliner Ortsteil Weißensee, deren Kapelle 1910 noch unter der Ältestenschaft von August Lehmpfuhl gebaut
worden war. Am Abend saßen wir in der „Brotfabrik“, in der August tatsächlich
Brot gebacken, aber auch in einer Sonntagschule die örtlichen Kinder im christlichen
Glauben unterrichtet hatte. Weil auch der nachfolgende Besitzer des Gebäudes
viel für die Kinder des Viertels getan hatte, wurde das Gebäude erhalten und schon
zu DDR-Zeiten in ein Kulturzentrum umgewandelt.
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| Die Brotfabrik in Berlin-Weißensee |
berichtet. Er muss ein großzügiger und gastfreundlicher Mensch gewesen sein, ein Ältester seiner Gemeinde, ein community leader. Nach meinem Geschmack wurde seine Wirksamkeit ein wenig zu sehr auf die Vermittlung von schulischem Wissen gelegt (Lesen und Schreiben soll er den Kindern beigebracht haben) und weniger auf seine Bemühungen, den Kindern den Glauben an Jesus Christus näher zu bringen.
Schön war auf jeden Fall die Erinnerung an seine fromme
Mutter, die mit einem dem Alkohol verfallenen Schuster aus Köpenick neun Kinder
in die Welt gesetzt hatte, als dieser Mann auf ungeklärte Weise allzu früh
verstarb. Meine Großmutter Lina, jüngste Tochter des August Lehmpfuhl, hat uns
erzählt, ihr Großvater sei im Suff vom Weg abgekommen und ertrunken oder
erfroren, irgendwie.
Die mittellose Witwe war die erste in meiner Ahnenreihe, die
sich einer Baptistengemeinde anschloss. Sie hat dort sicherlich auch materielle
Unterstützung für sich und ihre unversorgten Kinder erfahren. Ihr Sohn August
war beim Tod des Vaters erst sechs Jahre alt. Er wird die Christengemeinde als
einen Sicherheit und Wärme bietenden Ort erlebt haben.
Viel später habe ich bei Charles Taylor gelesen, dass die
großen christlichen Veränderungen, die "Revivals" in den
angelsächsischen Ländern oft gerade von den Menschen getragen wurden, die dem
wirtschaftlichen Untergang entkommen waren, weil sie eine dramatische
Lebenswende vollzogen hatten. Sie lebten nach dieser Wende besonders streng,
das betraf nicht nur den Umgang mit Alkohol, sondern auch das Kartenspielen,
Tanzen und andere Vergnügungen.
Wenn diese Wende vollzogen war, konnte die nächste
Generation mit viel weniger dramatischen Vorschriften ein ruhiges und sicheres
Leben führen. Man konnte sich ab und zu ein Gläschen Wein leisten und auch
gelegentlich einmal den sonntäglichen Kirchgang ausfallen lassen.
So war es auch mit den Nachkommen von August Lehmpfuhl. An
diesem Wochenende waren Christen in den unterschiedlichsten Schattierungen
vertreten. Baptisten waren weiterhin vorhanden, einige Verwandte hatten
sich der großen evangelischen Kirche zugewandt, weil sie dort eine bessere
Liberalität zu finden hofften, andere waren ganz ohne Glauben.
Allen war gemeinsam, dass sie offenbar weit von dem
gefährlichen Leben entfernt waren, das der Schuster aus Köpenick, August
Lehmpfuhls Vater, geführt hatte. Der radikale Schritt der Mutter in ein bewusst
christliches Leben hinein hatte die Nachkommenschaft geschützt.
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| Christopher Lehmpfuhl |
Donnerstag, 16. Februar 2023
Meine Mutter - geboren heute vor 100 Jahren
Meine Mutter hat mein Leben getragen, nachdem sie es ja buchstäblich
aus sich selbst hervorgebracht hat. Sie hat auf eine kaum beschreibbare, aber
trotzdem immer reale Art und Weise ein Leben lang zu mir gehalten. Das galt
selbst dann, wenn es darum ging, einige unangenehme Dinge über mich
auszusprechen. „Der Schönste ist er nicht“, sagte sie etwa, wenn sie meine
dünnen und leicht fettenden Haare kämmte und meine pubertären Pickel
betrachtete. Sie blickte mich dabei aber so liebevoll an, dass mir klar wurde,
dass ich keine Hollywood-Schönheit sein musste, um in ihrem Herzen einen ewigen
Platz zu haben.
Dass ich ein guter Schüler war, hat sie nie besonders
erwähnt. Sie hat es als selbstverständlich, vorausgesetzt, nachdem sie selbst
mit vielen guten Zensuren gesegnet die Schule nach zehn Jahren verließ.
Besonders gut getan hat es ihr dabei, dass ihr älterer Bruder Adalbert für
ähnlich gute Zensuren viel länger arbeiten musste als sie. Der Bruder wurde
später Professor, aber die natürlichen Anlagen für eine solche Karriere schlummerten doch eher in ihr.
Wenn sie „nur“ eine Ausbildung zur Diätassistentin am
Krankenhaus machen durfte, dann lag es an der Armut des väterlichen Haushaltes,
der nur die Ausbildung eines einzigen Mitglieds finanzieren konnte. Ihr Vater,
Erwin Bohle, der nach einer gescheiterten Karriere als Einzelhändler seiner
eigentlichen Berufung folgte und mit fast 40 Jahren zum Baptistenprediger umschulte,
verdiente in diesem Beruf nur ein sehr bescheidenes Einkommen. Darunter litt am
meisten die aus großstädtischen Verhältnissen stammende Mutter Lina, die nie
müde wurde, von den schönen Konzerten der Berliner Philharmoniker zu erzählen,
die sie als junges Mädchen besucht hatte.
Über diese Mutter kam eine musikalische Kultur in die
Familie des Baptistenpredigers, die um ein Haar die Liebe meines Vaters zu
meiner Mutter gefährdet hätte. Mein Vater kam aus einem Handwerker-haushalt in
einen Pastorenhaushalt (so kann man sagen, auch wenn man die Baptistenprediger erst in späteren
Jahren „Pastoren“ nannte), das passte nicht. „Die haben den ganzen Tag nur Bach
hoch und runter gespielt“, erinnerte er sich später unwillig.
Die Ehe meiner Eltern kam erst 1948 zu Stande, nachdem meine
Mutter einen ersten Heiratsantrag meines Vaters noch zu Kriegszeiten abgelehnt
hatte. Damals war ein anderer Kandidat mit im Spiel, der aber in den letzten
Kriegstagen an der Front fiel. Sein Foto hat sie aufbewahrt und uns Kindern
immer wieder einmal gezeigt. Dieser ernste Mann mit den vielen guten Noten in
seinem Abitur hätte Euer Vater sein können.
Aus der Ehe meiner Eltern gingen fünf Kinder hervor. Nach
mir, dem ältesten, kamen innerhalb von acht Jahren noch drei Schwestern und ein
Bruder hinzu. Die Eltern haben mit dieser Kinderschar ein offenes Haus geführt,
zu dem jeder von uns ungefragt weitere Kinder einladen durfte, ohne dass meine
Mutter je über einen schwindenden Vorrat an Lebensmitteln geklagt hätte.
Es gehört sicherlich zum Glück meiner Jugend, dass meine
Mutter ein lebendiges Interesse an den vielen bunten Menschen zeigte, die meine
Geschwister und ich ins Haus brachten sie. Sie sprach recht gut Französisch,
behauptete aber, dass auch alle anderen Ausländer sie gut verstehen würden,
wenn sie nur langsam genug mit ihnen spräche. „Wollen - Sie - noch - etwas -
Suppe, Herr Moon?“ Und der angesprochene Koreaner nickte wie
selbstverständlich.
Gebetet hat sie mit uns, und Lieder gesungen am Bett. Wenn
sie die Grundlage meiner Existenz war und Gott die Grundlage unserer aller
Existenz, dann war das beides eine Selbstverständlichkeit, die sie mit einem
vertrauensvollen Herzen an uns weitergab.
Gebetet hat sie auch für uns und für viele andere Menschen,
still im Bett, jeden Morgen nach dem Aufwachen. Ich freue mich, dass meine Frau
diese Angewohnheit übernommen hat. Ich habe von der Mutter geerbt, mich an
Geburtstage zu erinnern, wozu ich allerdings schriftliche Tabellen brauche. Sie
hatte alles im Kopf und wachte morgens auf und sagte als erstes „heute hat
Günter Odau Geburtstag".
So lebt sie in meine Erinnerung weiter, und ihr freundliches
Lächeln ist im Prinzip das, mit dem ich bis zum Ende meines Lebens der Welt
begegnen möchte.
Am Wochenende treffen sich meine Geschwister und ich in ihrem Geburtstort Derschlag, einem Ortsteil von Gummersbach, und gehen nach einem Rundgang im Dorf zum Kaffeetrinken in die nahe Rengser Mühle, wo es die dick mit Eierschaum gefüllten Pfannkuchen gibt, wahlweise mit Zucker oder mit Speck. Unerklärlich war es der Mutter, wie der Koch den Eierschaum zwischen den unteren und den oberen Pfannkuchen hinein bekam, die beide fest miteinander verbacken waren..
Dienstag, 12. Juli 2022
Festschrift 1948
Von der Stirne heiß
Rinnen muss der Schweiß
Soll das Werk den Meister loben
Doch der Segen kommt von oben.
Dankbar blicken die Inhaber auf die verflossenen 50 Jahre
zurück. Mit kindliche Gläubigkeit hat der Gründer zu Gott, dem Schöpfer und
Erhalt der Welt, als zu seinem Vater aufgeblickt und im Bewusstsein vieler
persönliche Fehler und Mängel seinen geoffenbarten Weisungen zu folgen
versucht. Seine Söhne und Enkel haben zu tiefe persönliche Eindrücke von diesem
Leben empfangen, um die damit verbundenen Erkenntnisse lassen zu können. Sie
fühlen sich verbunden mit den anfangs genannten Eigenschaften und möchten
Träger und Erhalter derselben sein. Ohne sie sind alle Maßnahmen für jedes
Gebiet des Lebens, auch für das wirtschaftliche, wertlos. Für sie einzutreten,
soll Vorsatz für die Verantwortlichen des Unternehmens bleiben, auch wenn
andere Grundsätze vorteilhafter zu sein scheinen.
Den Dank gegen Gott am heutigen Tage verbinden die Inhaber
mit dem Dank an alle Mitarbeiter die in den 50 Jahren mit viel Fleiß und Treue
dem Unternehmen und damit der Gesamtheit dienten. Sie bekennen dass die Summe
der Dienste im Rhythmus der Arbeit zu wenig Anerkennung gefunden hat. Bis zu 40
Jahren haben treue Mitarbeiter den Inhabern zur Seite gestanden. Der Raum
verbietet die namentliche Aufzählung mit den besonderen Verdiensten. Es soll
keine Herabsetzung anderer sein, wenn mit der herzlichen Bitte um Verständnis
hierfür ein Name genannt wird, der des Prokuristen Erwin Müller. Wenn die Treue
die besondere Eigenschaft vieler Mitarbeiter war so hatte sie in ihm seit dem
Jahr 1904 einen Vertreter seltener Prägung. Leider kann er seit einigen Jahren
wegen Krankheit seine Kräfte und Erfahrungen dem Unternehmen nicht mehr geben.
Dass sein Herz allen Geschehnissen folgt, ist allen bekannt. Dank auch allen
Auftraggebern. Auch hier verbietet der Raum eine Aufzeichnung von Namen und
Werken. Das hinsichtlich der Mitarbeiter auf den Prokuristen gesagte sei
wiederholt, wenn auch hier ein Name genannt wird, der Name Dowidat. Von der
ersten Schmiede hat die Firma den seltenen Aufbau dieser Firma begleiten dürfen
mit der Planung und Ausführung fast aller Bauten bis zum heutigen Tage. Zwei
Namen sind außer den Namen des Gründers und der Inhaber genannt. Das Vertrauen
zwischen den Trägern dieser Namen wünschen sich die Inhaber für alle
geschäftlichen Verbindungen der Zukunft.
Fast fünf Jahre nach der Zerstörung von Lager und Büro hat
die Commerzbank, Remscheid, der Firma in ihrem Hause Villenstr. 1 möblierte
Büroräume zur Verfügung gestellt. An dieser Stelle sei ihr dafür Dank gesagt.
Vor kurzem sind eigene Räume auf dem alten, zum Teil wieder aufgebauten Lager,
Rosenhügeler Straße 19, bezogen worden. Dort will die Belegschaft in Remscheid
am 25. Juni zusammenkommen um sich in schlichter Feierstunde des Tages zu
erfreuen. Die Zeitverhältnisse*** verbieten leider die Einladung der Freunde des
Unternehmens und die Herausgabe eines Werkes mit einer Aufzählung und
Darstellung der hauptsächlich aufgeführten Bauten.
Gott der Herr sei mit uns und unserem Volke!
Christian Runkel
Bauunternehmung
Remscheid Siegen
* Christian Runkel, mein Urgroßvater, war damals 16 Jahre alt, er konnte die im selben Jahr bis Wipperfürth verlängerte Bahnlinie nach Barmen benutzen und dadurch den fast 60 km langen Fußweg auf etwa die Hälfte reduzieren
** Adolf Runkel, mein Großvater, war im Jahre 1902 gerade 13 Jahre alt, hatte eine oder zwei Klassen der Volksschule übersprungen und war von den Lehrern mit der dringenden Empfehlung entlassen worden, er solle eine weiterführende Schule besuchen; das lehnte sein Vater jedoch ab. Seine Brüder Gustav (1891 bis 1953) und Paul (1895 bis 1947) waren entsprechend jünger.
*** Die Festschrift ist im Mai 1948 gedruckt worden. Verfasst hat sie vermutlich mein Großvater Adolf Runkel, damals 59 Jahre alt. Mein Vater Adolf Runkel war 28. Er hatte im Januar 1948 geheiratet, und meine Mutter Sigrid war in den ersten Schwangerschaftswochen, mit mir.
Donnerstag, 19. Mai 2022
Heute vor 125 Jahren wurde mein Großvater Erwin Bohle geboren
Sein Optimismus hatte ihn früh scheitern lassen, um 1935 herum musste sein Derschlager Ladengeschäft beim Amtsgericht Gummersbach Konkurs anmelden. Er hatte eine große Anzahl Nähmaschinen gekauft, sehr günstig, und sah vor seinem inneren Auge wie die Menschen im Oberbergischen, über unzählige von diesen Maschinen gebeugt, in häuslichem Fleiß die nebligen Täler östlich von Köln in blühende Landstriche verwandelten. Leider fanden sich kaum Käufer, und die wenigen, die man mit Ratenzahlungen zur Anschaffung einer Nähmaschine reizen konnte, blieben oft die Raten schuldig, so dass mein Opa alles in den Handel gesteckte Geld verlor.
Er hat diesen Misserfolg als Gottes Fügung angesehen und den Beruf des Baptistenpredigers angenommen, den er nebenberuflich schon lange ausübte und für den er, wie mir viele seiner Weggenossen später berichtet haben, überaus begabt war. 1938 trat er mit erneuertem Enthusiasmus seine erste Stelle an, hier in Remscheid, wo dann seine älteste Tochter meinen Vater kennenlernte und heiratete.
Ohne Erwin Bohles Enthusiasmus wäre ich also nicht, aber sein Enthusiasmus wirkt manchmal auch bitter in mir nach. Auch die Predigerlaufbahn führte meinen Großvater nicht zu dem ersehnten Ziel. Dabei hatte es nicht schlecht begonnen, seine Redegabe war über Remscheid hinaus bekannt geworden, und 1948 hatte er in Cannes sogar mit dem jungen Billy Graham zusammen gesessen, auf einer Konferenz von „Youth for Christ“. Für diese Organisation arbeitete Graham damals und auch Opa Erwin.
Sicherlich haben beide damals davon geträumt, vor großen Menschenmengen zu evangelisieren, beide hatten bereits damit begonnen und beide wussten um ihr Talent dafür. Mitte 1949 machte Graham sich mit einer eigenen Organisation selbständig und hatte gleich so viel Erfolg, dass er von einem Tag auf den anderen berühmt wurde. Den Großvater trifft Mitte 1949 der Schlag, er wird halbseitig gelähmt und betritt für den Rest seines Lebens keine Kanzel mehr. 1957 stirbt er nach langer Bettlägerigkeit.
Sein Leben gibt mir immer neue Fragen auf.
Freitag, 11. Februar 2022
Wwe. Emil Bohle (1857 - 1939)
Lieschens Mutter, die 1939 verstorbene „Witwe Emil Bohle“ (Foto) muss eine ebenso selbstbewusste Frau gewesen sein wie ihre Tochter, denn es wurde von ihr überliefert dass sie auf die Vorhaltungen der Nachbarn, ihre mittlerweile erwachsenen Söhne würden es den Schwiegertöchtern erlauben, unter der Woche Tennis zu spielen (während die Witwe Emil Bohle noch unermüdlich im Laden arbeitete), dass sie also auf diese Vorhaltungen barsch gesagt haben soll: "Just so will ick et han".
Lieschens Töchter waren elegante Frauen und haben aus dem Kleiderladen ein nach meinem damaligen Eindruck recht attraktives Modegeschäft gemacht.
Die Söhne haben Handel getrieben, der sie weit in der Welt herum gebracht haben. Ein Enkel hat nach dem Krieg diese Geschäfte weitergeführt und durch ausgedehnte Reisen nach Asien eine, wie man heute sagen würde, Lieferkette aufgebaut, über die er Zubehör für Fahrräder importierte. Für seine Fahrradschläuche und Reifen hat er irgendwann die Marke „Schwalbe“ eingeführt, die man heute fast auf jedem zweiten Rad in Deutschland finden kann.
Aber davon später mehr.
Freitag, 14. Januar 2022
Mein Onkel Adalbert
Heute vor 100 Jahren wurde mein Onkel Adalbert Bohle geboren, in Bergneustadt im Oberbergischen. Von allen meinen Verwandten hat er den größten Einfluss auf mein Leben gehabt, meine Eltern vielleicht ausgenommen. Ich sage vielleicht, weil mein Onkel dem Einfluss meines Vaters, dem ich mich oft zu entziehen versucht habe, etwas entgegengesetzt hat, das weder mein Vater noch meine Mutter, Adalberts jüngere Schwester, anzubieten hatten. Es war eine weltmännische Lebenskunst, die sich im Haus meiner Eltern nicht fand, die ich aber im Haus des Onkels wie ein offenes Buch studieren konnte.
Mein Onkel liebte die klassische Musik, spielte sie selbst auf dem Klavier und zog durch die ganze Welt, um die Konzerte seines Freundes, des Dirigenten Helmuth Rilling zu hören. Die Räume im Tübinger Haus des Onkels hingen voll mit Bildern, überwiegend von Arrigo Wittler gemalt, den er als junger Mann kennengelernt hatte und dem er über viele Jahre ein treuer Kunde war. Und schließlich war da das Universum seiner vielen Bücher, in dem ich frei herumstreifen durfte, was ich gerne genutzt habe.
Ohne seine Fürsprache hätte ich dem Plan meines Vaters folgend nach der zehnten Klasse, der "mittleren Reife", eine Maurerlehre beginnen sollen. Der Onkel sorgte für das Fortkommen bis zum Abitur und später, nach der Bundeswehr, für eine Möglichkeit, in Tübingen Betriebswirtschaft zu studieren. Dort war ich drei Semester lang jeden Mittag bei ihm und seiner Frau zu Gast und konnte lernen, meine Worte und meine Tischsitten auf gutem Niveau zu halten.
Wir haben uns später nie aus den Augen verloren und haben zwischen vielen Besuchen immer wieder miteinander telefoniert, wobei ich mich vom ehrfurchtsvollen Zuhörer nach und nach zu einem halbwegs gleichberechtigten Gesprächspartner entwickelt habe. Mein größter Erfolg war, ihm gelegentlich das Lesen von Romanen näherzubringen. Er hatte zunächst fest auf der Priorität der Sachbücher bestanden.
Von ihm übernommen habe ich ich einen Zugang zu Ernst Jünger, den er ebenfalls persönlich kannte, und der 1991 an einem Abend, den ich hier im Blog beschrieben habe, in seinem Haus zu Gast war. Der Onkel kommt mehrfach hier im Blog vor, so im Beitrag zum 60ten Geburtstag meiner Schwester Esther, die ich ebenso wie den Onkel zu den Enthusiasten zähle, denen ich auch ein Kapitel meines Buches "Unter Menschen" gewidmet habe. Eine seiner Maximen zum Abhalten einer erfolgreichen Rede findet sich hier.
Übernommen habe ich auch seine Treue zum Glauben seiner Väter. Sein eigener Vater Erwin Bohle war Baptistenprediger in Remscheid, und er selbst ist bis zum Ende seine Lebens Baptist geblieben. Er ist von dem den Baptisten herzlich zugeneigten Tübinger Theologen Eberhard Jüngel im Mai 1998 beerdigt worden. Jüngel hat am Ende aus einem Lebensrückblick zitiert, den der Onkel noch selbst verfasst hatte. Mein Onkel sprach darin vom "großen Halleluja am Ende der Tage" und schloss mit den Worten "Dieses große Halleluja wird der nächste Gesang sein, den ich hören werde, ja in den ich vielleicht miteinstimmen darf."
Eberhard Jüngel hat seine Ansprache dann mit den Worten geschlossen "So Adalbert Bohle. Ihm geschehe, wie er geglaubt hat. Amen."
Ich habe das damals mit Ergriffenheit gehört und ein lautes "Amen!" dazu gesagt.
Donnerstag, 5. August 2021
72 Jahre, 6 Monate und 25 Tage
Mein heutiges Alter entspricht auf den Tag genau dem Alter meines Großvaters Adolf Runkel, als dieser am 22. Oktober 1961 verstarb. Ich habe über seinen eigenartigen Tod berichtet - er starb bei der Einweihung einer kleinen Kirche, die er als Bauunternehmer errichtet hatte. Das nebenstehende Foto zeigt ihn wenige Minuten vor seinem Tod.
Später habe ich noch einen Blog-Bericht hinzugefügt, in dem man seine letzte Rede, die er bei der Schlüsselübergabe hielt, hören kann.
Der mütterliche Großvater Erwin Bohle starb kurz vor seinem 60. Geburtstag. Auch an den Tag, an dem ich so alt war wie er damals, habe ich im Jahr 2008 im Blog erinnert.
Sonntag, 30. Oktober 2016
Berlin 1934 / Ankara 2016
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| Weltkongress der Baptisten 1934 in Berlin |
Sonntag, 3. Juli 2016
Ein Enthusiast: meine Schwester Esther
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| Esther in ihrer Kabarett- Rolle als Frau Schnobelsberger |
Freitag, 25. Januar 2013
Der Himmel über dem Ort Lus
Sonntag, 16. September 2012
Eine Predigt
(in der Friedenskirche der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Schützenstr. 32)
Montag, 15. Dezember 2008
60 Jahre minus 25 Tage
Dies ist mein Großvater Erwin Bohle aus Bergneustadt im Oberbergischen Kreis. Er wurde am 19. Mai 1897 geboren und starb am 24. April 1957, wenige Tage bevor er 60 wurde, genau: 25 Tage davor. In 25 Tagen von heute, werde ich nun meinerseits 60 und begehe den heutigen Tag mit einem gemischten Gefühl aus Freude über mein Leben und Bedauern über das viel zu früh und unter quälenden Umständen zu Ende gegangene Leben des Großvaters.
Er war ein Enthusiast und steht so vor meinen Augen, wie ihn mir ein Verwandter schilderte, kurz nach dem Krieg an einer Haltestelle auf die Straßenbahn wartend "mit nichts als zwei Hosenknöpfen in der Tasche" aber strahlend und optimistisch, "als ob ihm die ganze Welt gehörte".
Sein Optimismus hatte ihn früh scheitern lassen, um 1935 herum mußte sein Derschlager Ladengeschäft beim Amtsgericht Gummersbach Konkurs anmelden. Er hatte eine große Anzahl Nähmaschinen gekauft, sehr günstig, und sah vor seinem inneren Auge wie die Menschen im Oberbergischen, über unzählige von diesen Maschinen gebeugt, in häuslichem Fleiß die nebligen Täler östlich von Köln in blühende Landstriche verwandelten. Leider fanden sich kaum Käufer, und die wenigen, die man mit Ratenzahlungen zur Anschaffung einer Nähmaschine reizen konnte, blieben oft die Raten schuldig, so daß mein Opa alles in den Handel gesteckte Geld verlor.
Er hat diesen Mißerfolg als Gottes Fügung angesehen und den Beruf des Baptistenpredigers angenommen, den er nebenberuflich schon lange ausübte und für den er, wie mir viele seiner Weggenossen später berichtet haben, überaus begabt war. 1938 trat er mit erneuertem Enthusiasmus seine erste Stelle an, hier in Remscheid, wo dann seine älteste Tochter meinen Vater kennenlernte und heiratete.
Ohne Erwin Bohles Enthusiasmus wäre ich also nicht, aber sein Enthusiasmus wirkt manchmal auch bitter in mir nach. Auch die Predigerlaufbahn führte meinen Großvater nicht zu dem ersehnten Ziel. Dabei hatte es nicht schlecht begonnen, seine Redegabe war über Remscheid hinaus bekannt geworden, und 1948 hatte er in Cannes sogar mit dem jungen Billy Graham zusammen gesessen, auf einer Konferenz von „Youth for Christ“. Für diese Organisation arbeitete Graham und auch Opa Erwin.
Sicherlich haben beide damals davon geträumt, vor großen Menschenmengen zu evangelisieren, beide hatten bereits damit begonnen und beide wußten um ihr Talent dafür. Mitte 1949 machte Graham sich mit einer eigenen Organisation selbständig und hatte gleich so viel Erfolg, daß er von einem Tag auf den anderen berühmt wurde. Den Großvater trifft Mitte 1949 der Schlag, er wird halbseitig gelähmt und betritt für den Rest seines Lebens keine Kanzel mehr. 1957 stirbt er nach langer Bettlägerigkeit.
Sein Leben gibt mir immer neue Fragen auf.
P.S. Christiane und ich haben laut gelacht, als wir gestern abend versucht haben, ein Foto zu machen, auf dem ich wie der Großvater gucke. Es geht nicht.
Samstag, 29. Dezember 2007
Der Schwiegersören und die Großfamilie

Am ersten Weihnachtstag stößt auch Sören (hier im Bild mit Matthias) aus Bremen zu uns, Carolins Freund, der mit seiner Familie in Bremen Weihnachten gefeiert hat. Er wird freudig erwartet - von allen! - und verstärkt bald die Laptop-Fraktion.

Man schätzt ihn u.A. wegen seiner EDV-Kenntnisse. Er wird - das ist schon klar - das hausinterne Wireless Lan endlich mit einem Paßwort versehen und es gegen räuberisches Eindringen aus der Nachbarschaft sichern.
Franziska Sprzagala, die Patentochter, kommt zwischen zwei Konzerten mit den Bergischen Symphonikern kurz vorbei. Leider werden die Fotos des schönen Mädchens alle nichts, deshalb muß der Verweis auf die sehr gute Konzertkritik der lokalen Zeitung hier genügen.

Am zweiten Weihnachtstag dann fällt schließlich die gesamte Großfamilie Runkel ein - Schwester Sigrid mit Schwager Friedhelm und Familie sowie Schwiegerfreund Christian, Bruder Erwin Adolf (Brüdi, hier im Foto mit mir) mit zwei Söhnen (die beiden Töchter sind zum Skifahren weg) und Schwester Esther. Ein Topf mit 10 Litern Borschtsch nach einem uralten ukrainischen Rezept von Liese Warkentin macht sie alle satt, so daß später ein fröhliches Singen und Musizieren aus gut genährten Leibern ertönen kann.
Hier ein Rundumbild mit (fast) allen Gästen drauf.










