Sonntag, 6. September 2026

A healthy interest in life

Im letzten der vier Rabbit-Bände von John Updike erleidet der Titelheld Harry („Rabbit“) Angststrom einen Herzinfarkt, den er knapp überlebt. In der Rekonvaleszenz bekommt er vom behandelnden Arzt eine Reihe von Ratschlägen bezüglich Tabletten, Sport und Ernährung und außerdem den Rat „the best thing for a body is a healthy interest in life“. Das beste für einen Körper ist ein gesundes Interesse am Leben.

Ich habe diesen Ratschlag vor vielen Jahren gelesen und seither nicht vergessen. Heute, wo ich in einem Alter bin, in dem ich solche Ratschläge aufmerksam hören sollte, stelle ich fest, dass die Befolgung auf ein gewisses Problem trifft: man kann sich zwar um ein verbessertes Interesse am Leben bemühen, wird aber feststellen, dass umgekehrt das Leben sich nicht mehr allzu sehr um einen selbst bemüht.

Die alten Freunde haben – wenn sie überhaupt noch leben – wenig Energie, um einen geplanten Besuch endlich wahrzumachen. Die jungen Leute halten einem höflich die Türe auf, gehen dann aber schnell ihres Weges, um sich mit Altersgenossen zu unterhalten und nicht mit einem alten, uninteressanten Menschen wie mir. Selbst die Enkelkinder, die mir mit „Opa! Opa!“ entgegen laufen, wenn ich sie besuche, verlieren schnell das Interesse an mir, vielleicht deshalb, weil meine Themen sie nicht besonders reizen.

So geht also das Leben weit draußen an mir vorbei, und die Fäden, die mich mit ihm verbinden, werden immer länger und dünner. Auch in Updikes Buch bewirkt der gute Rat eher das Gegenteil: Angstrom macht das, was er in seinem Leben immer besonders gut gekonnt hat, er spielt Basketball, und zwar an einer Straßenecke mit einem dort spielenden Jugendlichen. Dabei erleidet er den zweiten Herzinfarkt, der dann am Ende tödlich ist.

 

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