Dienstag, 7. April 2020

Erinnerungen in den Zeiten von Corona (VI): Die schöne Melusine


In einem alten Buch mit Volkssagen habe ich als Kind wie benommen die Geschichte von der schönen Melusine gelesen. Die Geschichte war ergreifend, aber mehr noch war es das Bild der Melusine im Bad!

In der damaligen Zeit, in der am Zeitungskiosk noch nicht serienweise die Anatomie spärlich bekleideter Frauenkörper zu bestaunen war, erschien mir das Bild dieser rätselhaften Frau mit ihren festen Brüsten wie ein Schlüssel zur geheimnisvollen Welt des Weiblichen.

Ich rekonstruiere im Kopf mein Alter bei der ersten Begegnung mit Melusine, indem ich mir in Erinnerung rufe, dass ich ihren Namen früher als das Wort "Limousine" kennenlernte, und dass ich mich sogar gefragt habe, warum die beiden Worte so ähnlich klangen. Ich schließe aus allem, dass ich noch recht jung war und erinnere mich auch dunkel, dass ich noch nicht vollkommen über die Sexualität aufgeklärt war, die mich in dieser Phase meines Lebens langsam nach und nach in Beschlag nehmen sollte.

Sonntag, 5. April 2020

Erinnerungen in den Zeiten von Corona (V): Der Telegraf


Für meinen Blog-Eintrag über die Rattenburg habe ich das Internet durchforstet und habe an einer Stelle auch einen guten Nachweis für die alte Sage von der versunkenen Burg bekommen.

Zu meiner Überraschung stieß ich aber außerdem auch auf einen Hinweis aus vergangenen aber gut beurkundeten Zeiten, dass nämlich einstmals auf dem Rattenberg ein Telegrafenhaus stand, das zwischen 1833 und 1849 optische Signale auf der Linie Berlin - Koblenz übermittelt hat.

Es übernahm die Signale von einem ähnlichen, 11 km Luftlinie entfernten Haus in Radevormwald und gab sie an die nächste Station in Blecher oberhalb des Altenberger Doms weiter (13 km entfernt).

Donnerstag, 2. April 2020

Erinnerungen in den Zeiten von Corona (IV): Langeweile, Einsamkeit, Angst


Felder und Wälder bei Buchholzen
Im Haus meiner Großeltern in Buchholzen verging uns Kindern die Zeit oft nur sehr langsam. Das war uns meistens recht, weil wir gerne lange Schulferien in diesem Haus unter den hohen Bäumen machten.

Manchmal wurde uns die Zeit aber auch zu lang – etwa im Sommer des Jahres 1956, als meine Eltern zum ersten Mal zu einem längeren Campingurlaub nach Südfrankreich abgereist waren.

Ihre Rückkehr war für einen bestimmten Tag angekündigt, ohne dass allerdings die Uhrzeit bekannt war. Meine Schwester und ich lagen schon seit dem Vormittag gespannt wartend auf einer Wiese im Garten und hörten zu, wie die (in dieser Zeit recht wenigen) Autos die Dorfstraße herunter oder herauf fuhren.

Sonntag, 29. März 2020

Erinnerungen in den Zeiten von Corona (III): Die Rattenburg


Oberhalb des Hauses meiner Großeltern lag das Ausflugsrestaurant „Rattenburg“. Es hatte den etwas unheimlich klingende Namen von einem in der Nähe gelegenen sumpfigen Wald, um den eine Volkssage kreiste.

An dieser Stelle habe, erzählt die Sage, vor Urzeiten eine stolze Burg gestanden, die aufgrund irgendwelcher Verfehlungen ihrer Bewohner mit einem Fluch belegt worden war. In dessen Folge versank sie mehr und mehr im Boden und war am Ende nicht mehr zu sehen. Tief unten lebten aber die Bewohner weiter – wenn ich es richtig in Erinnerung habe in der Form von Ratten. Daher der Name Rattenburg.

Samstag, 28. März 2020

Erinnerungen in den Zeiten von Corona (II): Der Affensturz


Im Dreieck zwischen den Dörfern Dreibäumen, Bergisch Born und dem Buchholzen meiner Großeltern entspringt der Eifgenbach. Er fließt von hier aus zunächst südlich um Wermelskirchen herum, dann an Dabringhausen vorbei und mündet in der Nähe des Altenberger Doms in die Dhünn.

Es gibt insgesamt vier Quellen des Eifgen, die jeweils in einem kleinen Taleinschnitt liegen. Dieser beginnt bei den oberen beiden Quellen in einem schönen, regelmäßig geformten Randterrain, das ein wenig wie die Zuschauertribüne eines großen natürlichen Theaters aussieht. Im Zentrum dieser Arena liegt die Quelle.

Die dritte Quelle liegt etwas versteckter. Sie war in den fünfziger Jahren, als meine Schwester Sigrid und ich bei den Großeltern Ferien machen durften, verbreitert worden und bildete damals einen kleinen Tümpel. An der Stelle, wo er aufgestaut war, hatte man ein Brett über den Bach gelegt (etwa da, wo im Foto der umgestürzte Baum liegt), so dass man den Bach hier bequem überschreiten konnte.

Sonntag, 22. März 2020

Erinnerungen in den Zeiten von Corona (I): Otto, Nove, Dieci


Bei km 1,0
Vom  Zentrum des Dorfes Buchholzen, in dem meine Großmutter wohnte, gab es entlang der Straße nach Bergisch Born alle hundert Meter einen Kilometerstein. Meine Oma wohnte bei Stein Nummer 7, und wenn sie mit uns in Richtung Bergisch Born ging, mussten wir die weiteren Steine auf Italienisch aufsagen.

Der erste Stein hieß Otto, also auf Italienisch acht, was wir als kleine Kinder lustig fanden, aber auch ein wenig irritierend. Uns dämmerte, dass zwischen Wort und Bedeutung etwas Drittes lag, Sprache, und die konnte also verschieden sein. Bis zum Stein "Nove" gingen wir noch gerne mit, aber bei "Dieci", am Straßenrand vor der Gaststätte, die nach einer alten Ortssage "Rattenburg" hieß, wollten wir meist umkehren. Die Oma konnte uns mit der Aussicht weiter locken, bei "Dodici" über die Eisenbahnbrücke gehen zu dürfen und uns in den Dampf einer unter uns her rauschenden Lokomotive einzuhüllen.

Sonntag, 15. März 2020

Kundig, weise, fähig zu unterscheiden



Gott sprach zu Salomo: Weil du weder um langes Leben bittest noch um Reichtum noch um deiner Feinde Tod, sondern um Verstand, auf das Recht zu hören, siehe, so tue ich nach deinen Worten.
( Losung vom heutigen 15. März, aus 1. Könige 3,11-12)

Heute beginnt die Woche, die für viele von uns die vielleicht größten Veränderungen mit sich bringt, die wir in unserem bisherigen Leben mitmachen mussten. Es drohen die größten Gefahren, die unser Volk seit dem überstandenen Weltkrieg durchlebt hat.

Da ist es gut, ein Wort in der Bibel zu finden, das uns das noch einmal vor Augen führt, was in schwierigen Situationen eine der wichtigsten Tugenden ist: Unterscheidungs-vermögen und Weisheit.