Samstag, 29. Dezember 2007

Der Schwiegersören und die Großfamilie

 





Am ersten Weihnachtstag stößt auch Sören (hier im Bild mit Matthias) aus Bremen zu uns, Carolins Freund, der mit seiner Familie in Bremen Weihnachten gefeiert hat. Er wird freudig erwartet - von allen! - und verstärkt bald die Laptop-Fraktion.


Man schätzt ihn u.A. wegen seiner EDV-Kenntnisse. Er wird - das ist schon klar - das hausinterne Wireless Lan endlich mit einem Paßwort versehen und es gegen räuberisches Eindringen aus der Nachbarschaft sichern.

Franziska Sprzagala, die Patentochter, kommt zwischen zwei Konzerten mit den Bergischen Symphonikern kurz vorbei. Leider werden die Fotos des schönen Mädchens alle nichts, deshalb muß der Verweis auf die sehr gute Konzertkritik der lokalen Zeitung hier genügen.


Am zweiten Weihnachtstag dann fällt schließlich die gesamte Großfamilie Runkel ein - Schwester Sigrid mit Schwager Friedhelm und Familie sowie Schwiegerfreund Christian, Bruder Erwin Adolf (Brüdi, hier im Foto mit mir) mit zwei Söhnen (die beiden Töchter sind zum Skifahren weg) und Schwester Esther. Ein Topf mit 10 Litern Borschtsch nach einem uralten ukrainischen Rezept von Liese Warkentin macht sie alle satt, so daß später ein fröhliches Singen und Musizieren aus gut genährten Leibern ertönen kann.

Hier ein Rundumbild mit (fast) allen Gästen drauf.

Am 28. kommt auch Eva

 



Eva hat in der Schweiz die Eltern Ihres Freundes Manuel besucht und kommt am 28. an. Judith holt sie vom Flughafen Köln ab und bringt sie nach Wiedenest, wo Christianes Mutter samt Schwester, Schwager und deren Kinder und (Ur-)Enkelkinder besucht werden.

Eva hat ein Lied für Tina gemacht, das ich gerne hier zeigen möchte, ich kämpfe mit ihr um die Verwertungsrechte und darf das Lied am Ende nun also allen zeigen:



Am 29. kommt auch Oliver Barnett aus Köln, Sohn von unseren Freunden Robert und Caroline in England.

Er lebt seit einigen Monaten in Deutschland und möchte länger bleiben, weil es ihm hier gefällt. Der Junge weiß, was gut und richtig ist! Auch die Sprache hat er verblüffend schnell gelernt. Er ist uns ein willkommener und lieber Gast.

Dienstag, 25. Dezember 2007

Weihnachtsbotschaften

 


In unserer Lokalzeitung hat der katholische Stadtdechant zu Weihnachten eine kleine, freundliche Andacht geschrieben, wie man sie in diesen Tagen landauf, landab vermutlich in ähnlicher Form zu lesen oder hören bekommt. Gott kehrt an Weihnachten alle unsere Maßstäbe um, das ist der Inhalt der Botschaft.

Obwohl dagegen an sich nichts einzuwenden ist, liest man es trotzdem mit zwiespältigen Gefühlen. Man erinnert sich daran, daß man es ja leider immer und immer wieder gehört hat, sich aber nie wirklich entschließen konnte, nun seinerseits die eigenen Maßstäbe einer Prüfung zu unterziehen und zu ändern. Hoch und angesehen bleibt hoch und angesehen, und arm und dumm bleibt arm und dumm. Und man tut offenbar gut daran, sich zum Hohen hin zu orientieren, denn nur da gibt es die relative Sicherheit, die unsere immer auf wackligen Füßen stehende Existenz so dringend nötig hat.

Außerdem ist es fast eine Tautologie, daß Gott anders denkt und urteilt als wir. Er ist ja kein Mensch. Findet man sich nicht besser damit ab, ja kann man nicht sogar davon profitieren, daß es im Universum eine Alternative zu dem gibt, was wir denken und leben? Man freut sich ja auch über andere alternative Lebensformen, etwa der Ureinwohner ferner Inseln, deren Sitten und Gebräuche wie der Hauch eines exotischen Duftes zu uns kommen. Der Vergleich klingt vermessen, aber während ich das schreibe, fällt mir ein Weihnachtslied ein, das tatsächlich von der Umkehrung der Maßstäbe spricht und das alle diese Gedanken in eine zündende Melodie kleidet – aus der Karibik. Man singt es, wiegt mit den Hüften und möchte aus einem anderen Weihnachtslied anfügen: Eia, wär’n wir da! Und wir sind es nicht.

Nein, Weihnachten kehrt keine Maßstäbe um. Es kommt auch nicht plötzlich und unerklärlich und „senkrecht von oben“ wie Karl Barth es für Begegnungen mit dem Göttlichen gefordert hat. Es ist lange vorher angekündigt worden und hat eine jahrhundertelange Vorgeschichte, glücklicherweise.

Diese beginnt um die Zeit des Exils der Juden herum und wird durch Generationen hindurch von Juden getragen, welche die Knechtschaft und Unterdrückung ihres Volkes unter Assyrern, Persern, Griechen und Römern erdulden und dabei nie vergessen können, daß ihr Gott ihnen eigentlich die Beherrschung der ganzen Welt versprochen hatte. Sie erkennen nach und nach, daß Gott seine Macht nicht länger an den großen Hoffnungsträgern der jüdischen Geschichte erweist, Abraham, Mose, David, Salomo, sondern vielmehr an den kleinen, meist namenlosen Helden eines alltäglichen Glaubens, der nichts sieht, der aber trotzdem nie aufhört zu hoffen.

Zu diesen Juden spricht Jesaja um 600 v.Chr. und zeichnet ihnen mehr ahnend als wissend das Bild von einem leidenden Gottesknecht. Der trägt das Leid der anderen und hebt es auf, in ein neues Gottesreich hinein. Er findet „geknickte Rohre“ vor und „glimmende Dochte“ (Jesaja 42,3), und er macht keine eisernen Säulen aus ihnen und keine brennenden Feuer, sondern baut eine Gemeinschaft aus solchen, die das Leben eher elend wie ein Hiob erlebt haben und nicht glorreich wie der König Salomo.

In Jesajas Zeiten, den Zeiten des babylonischen Exils und danach, wächst ein neuer Glaube. Er hält den Gedanken an JHWH lebendig, aber erkennt in ihm einen Gott, der sich darin bewährt, daß er im Elend nahe ist und im Leid trösten kann, der damit viel mehr ist als nur ein Garant für fraglichen Wohlstand und wacklige politische Macht.

Die neue Weise, Gott im Dunkel des Lebens zu erfahren, erweist sich als stärker und überlebensfähiger als jeder Glaube davor und danach, weil er den blinden Optimismus, der in jedem Menschen steckt, überwindet und klar sieht, daß zu jedem Leben Verlust und Leid gehört. Jeder ist über Phasen seines Lebens ein Hiob.

Wenn dann 500 oder 600 lange Jahre später Jesus erscheint, ist das Feld für ihn durch Menschen bereitet, die diesen Glauben in sich tragen, die ihre Armut erkannt und sie bewußt angenommen haben. Im Jesus-Buch des Papstes ist nachzulesen, wie sich diese Menschen selbst als „die Armen Gottes“ erkennen und annehmen. Zu der Reihe entsprechender Attribute gehören Worte wie „die Armen der Barmherzigkeit“, „die Armen der Gnade“ – oder wie es Jesus dann in der Bergpredigt gesagt hat „die Armen des Geistes“. Die Menschen, die Jesus als erste an- und aufnehmen, stehen in dieser Tradition, seine Eltern an prominentester Stelle.

So kommt Jesus in Bethlehem an, über lange Jahre und Jahrhunderte ersehnt, erwartet und gekannt. Die Maßstäbe, die er umkehrt, sind schon lange vor seiner Zeit aufgehoben worden. Daß sie nicht tragen, diese alten Maßstäbe, war lange vor Jesus bekannt. Neu ist, daß man seit Weihnachten sehr viel fester daran glauben kann, daß es richtig war, sie zu verändern und das Leben tiefer und klarer zu sehen, in allen seinen hohen und tiefen Dimensionen.

Eva wird vermißt

 



Auf dem traditionellen Familienbild unterm Türrahmen fehlen an diesem Heiligen Abend Eva und Tina. Ihrer wird gedacht. Dort, wo sie normalerweise stehen, weisen heute die Tafeln "Schweiz" und "Peru" auf sie hin.


Einige Geschenke stehen in diesem Jahr unter dem Thema "Ägypten", weil Carolin dort zwischen Januar und April leben wird. Sie wird in Kairo ihre Diplomarbeit schreiben, über ein Entwicklungshilfeprojekt.



Matthias, der im März mit seinem neunmonatigen Wehrdienst fertig ist, wird Caro in Kairo besuchen, zusammen mit Judith. Sie bekommen Bauchtaschen geschenkt, zur Diebstahlsicherung. Matthias erhält außerdem den amtlichen Ägypten-Reiseführer für Backpacker, den es weltweit nur aus dem Verlag Lonely Planet gibt.


Christiane hat sich eine Erweiterung ihres Memoryrings um zwei weitere Steinchen gewünscht. Obwohl es in diesem Jahr keinen keinen konkreten Anlaß gab, sich zu erinnern, konnte ihr Wunsch erfüllt werden. Wir erinnern uns dankabr daran, daß wir noch das Leben haben. Und uns.


Matthias hat mir eine CD von Oscar Peterson geschenkt, Aufnahmen aus 1971, remastered. Der gute Junge hat klug gewählt. Eigenartiges Zusammentreffen: an diesem Abend erfahren wir vom Tod Petersons am 23.Dezember.


Später wird Musik gemacht. Judith und Caro singen, ich spiele Klavier und - große und seltene Ehre für uns alle - Matthias holt seinen Verstärker dazu und zupft schöne Töne auf seinem Baß.

 



Auch außerhalb der gemeinsam verbrachten Zeiten sind wir permanent untereinander verbunden - über das hausinterne drahtlose Computernetz. Es herrscht eine angenehme Stille, die nur durch das leise Klappern der Tastaturen unterbrochen wird. Manchmal bekommt man im Wohnzimmer sitzend eine eMail, die jemand aus dem Eßzimmer geschickt hat. So bleibt man im Gespräch.

Am Übergang vom 24. zum 25. Dezember wird schmerzhaft deutlich, daß unser Geburtstagskind Eva fehlt. Wir können uns an keinen Heiligen Abend erinnern, an dem wir nicht zusammen mit ihr in ihren Geburtstag gefeiert hätten. Nun ist sie mit Freund Manuel bei dessen Eltern in der Schweiz. Beim letzten Telefonat berichtete sie von einer Wanderung am Säntis. So etwas kann Remscheid natürlich nicht bieten.

Oscar Peterson gestorben

 


Ich fand im Internet diese Aufnahme eines Amateurs, der Petersons "Hymn to freedom" spielt. Ich finde, sie ist auf ihre Art ein schönes Kompliment an den Mann, der das Stück komponiert* und als erster gespielt hat. Er ist am 23. Dezember in Kanada gestorben, 82 Jahre alt,




* Irgendwo habe ich gelesen, ihm sei die Melodie für diese Martin Luther King und den Bürgerrechtlern der 60er Jahre gewidmete Hymne am Ende seiner Aufnahmen für die berühmte Platte "Night Train" spontan eingefallen, und er habe sie dann in einem einzigen "Take" aufgenommen. Ich habe tausend mal probiert, wenigstens einige der Variationen des Stückes halbwegs ordentlich nachzuspielen. Vergeblich.

Montag, 24. Dezember 2007

Heilig Abend: Christina ruft aus Cusco in Peru an

 


Tina ruft nachmittags von halbwegs zwischen dem Titicacasee und der Hauptstadt Lima, dem Endpunkt ihrer Reise, an. In der Nähe von Cusco liegt das berühmete Machu Picchu, zu dem sie morgen oder übermorgen aufsteigen will.


Hier ein früheres Bild von ihrer Zeit in Südamerika. Links mit Hut ist ein Lama, rechts ohne Hut Tina. (Vermutlich wird sie anrufen und sagen, sie habe meinen Blog gelesen und ich solle diesen Text jetzt sofort rausnehmen).

Wir haben einen kurzen Abschnitt aus dem Telefonat mit ihr aufgenommen:




Matthias ist von seinem 24-Stunden-Wachdienst bei der Bundeswehr zurück, er macht sich mit Judith, Carolin, Christiane und mir auf den Weg in die Christvesper.

"Muß man da Butterbrote mitbringen?" hat mein Vater immer spöttisch gefragt, nachdem in den 70er Jahren der schlichte Heilig-Abend-Gottesdienst bei uns in "Vesper" umbenannt wurde.

 



Pastor Leese (hier nach dem Gottesdienst mit unserem Ältesten Ralf Wentland) predigt über "Das Wichtigste ist das Kind", der Männerchor singt, Kinder musizieren mit ihren Vätern, es ist ein schöner Gottesdienst.

 



Hier ein Bild von der Bühne mit Tannenbaum und Männerchor, bei der Vesper in der Schützenstr.32 in Remscheid.

Sonntag, 23. Dezember 2007

Anton und andere Gäste

 




Mit dem zwei Monate alten Anton Burgtorf kommt am heutigen Nachmittag eine neue Klasse von Gästen in unser Haus, so eine Art von Enkelkindern. Antons Mutter Marei ist Judiths Freundin von Kindertagen an und Judith hat die Geburt des kleinen Frankfurters mit Spannung erwartet und seine ersten Tage und Wochen auf dieser Welt mit großer Sympathie begleitet.


Nun macht er seinen Antrittsbesuch bei uns, schlafend. Ich habe schon auf den ersten Fotos seine Ähnlichkeit mit Gustav Spelsberg, seinem Opa, festgestellt, finde sie jetzt bestätigt und rede ihn mit Gustav-Anton an. Uli und Marei, seine Eltern nehmen es mir nicht übel, der Opa ist allerdings auch ein wirklich lieber Mensch, und der Welt täte es gut, wenn noch mehr Gustavs in ihr herumliefen.


Judith ist ebenfalls am Nachmittag gekommen und erfreut das Herz des Väterchens mit ihrem frohen Wesen. Mit ihr kommt immer viel Musik, deshalb heißt sie auch das singende springende Löweneckerchen, ein Ehrentitel, der aber auch immer wieder mal den anderen Schwestern verliehen wird. Natürlich nur, wenn sie auch singen.


Carolin hat ihre Klassenkameradin Stefanie zu Besuch. Ihr hübsches italienisches Gesicht hat ein paar strenge Züge bekommen, die ihr aber nicht schlecht stehen. Sie ist seit Kurzen im Besitz zweier Staatsexamen und beginnt als Anwältin in Wuppertal. Die Kinder werden erwachsen. Sie siezt mich, und ich duze sie noch, aber mit schlechtem Gewissen.


Einen ersten kulinarischen Höhepunkt setzt Christiane mit der Käse-Sahne-Torte nach altem oberbergischen Rezept. Auch in diesem Jahr wird vermutlich aus der geplanten kontrollierten Reduktion des Gewichtes wieder nichts werden.