Samstag, 14. Mai 2016

Schechina

Zu den schönsten Worten, die man beim Lesen der Erzählungen der Chassidim (Martin Buber, 1949) lernt, gehört das Wort Schechina. Es bezeichnet  „die der Welt einwohnende Gegenwart Gottes“, sein Erscheinen unter den Menschen, Sein Sich-Niederlassen.

Das Wort  aus Psalm 139 (Vers 9)

Nähme ich die Flügel der Morgenröte und ließe mich am äußersten Meer nieder, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich ergreifen.

Freitag, 19. Februar 2016

Nachrichten aus Refugistan


Parallelwelten existieren oft so, dass sie zwar eng mit unserer täglichen Lebenswelt verwoben sind, von uns aber praktisch niemals wahrgenommen werden. In der Zauberwelt von Harry Potter ist es die Parallelwelt der Hogwartschule. Zu ihr führt ein geheimer Zugang, der Bahnsteig 9¾ im Londoner Bahnhof King’s Cross. In unseren Städten ist es ganz ähnlich, man muss hier nur in bestimmte Straßen gehen, an bestimmten Türen klopfen und wird dann in der Regel von einer Gruppe junger Männer oder auch von einem Ehepaar mit Kindern begrüßt werden, die in einer spartanischen Einrichtung aber in reinlichen Verhältnissen ihr Leben führen.

Montag, 8. Februar 2016

Siri verändert die Welt

Dag Kittlaus
Einer der Erfinder des Sprachsystems Siri auf dem iPhone, der Amerikaner Dag Kittlaus, hat 2010 alles das, was er bis dahin für Siri entwickelt hatte, für 200 Millionen Dollar an Apple verkauft. Die Grundidee von Siri lässt ihn aber weiterhin nicht los. Er hat jetzt eine neue Firma mit Namen „Viv“ gegründet, die den Gedanken einer sprachgesteuerten Computerzukunft weiter vorantreiben soll. 

In einem Artikel des Guardian erfährt man, dass die ursprüngliche Idee von Siri offenbar nicht so sehr die Umsetzung von Sprache in Schrift war, die funktioniert ja mittlerweile sehr gut (ich benutze sie gern). Es ging den Entwicklern um mehr, man wollte erreichen, einem Computer ein komplexes Problem in der einfachen Form eines gesprochenen Satzes vorzutragen und den Computer befähigen, dieses Problem zu lösen.

Samstag, 16. Januar 2016

Der grazile Gott


חֵן

Der Name meines neugeboren Enkels - Johann - bedeutet übersetzt, dass Gott gnädig ist. "chana" heißt im Hebräischen "gnädig sein". Das Wort kommt erstmals in der bekannten Sintflutgeschichte vor, wo es heißt "Noah fand Gnade ('chen') in den Augen Gottes".

Samstag, 9. Januar 2016

A Broken Hallelujah


Leonard Cohen
(Translation into English below)

Heute, am Morgen meines 67ten Geburtstages, habe ich mich noch ganz in der Frühe ans Klavier gesetzt und Leonard Cohens "Hallelujah" gespielt und gesungen. Ein frommer Freund hatte mir vor ein paar Tagen erzählt, er wolle dieses Lied eines Tages auf seiner Beerdigung gespielt haben, und ich hatte mich von daher für den Text interessiert und mir ihn aus dem Internet besorgt. Ich fand ihn viel schöner als ich ihn in Erinnerung hatte.

Freitag, 18. Dezember 2015

Heidi



Anuk Steffen, 9, als Heidi und Bruno Ganz, 74, als Almöhi
Das schönste, was man über diesen Film sagen kann, ist, dass er auf so natürliche Weise natürlich ist. Nirgendwo ist von dem aus Katalogen bekannten Wohlgefühl die Rede, das der moderne Städter mit "Natur pur" bezeichnet. Nirgendwo wird Natur mit einer Ideologie verbunden – etwa: Natur ist Gesundheit, Natur ist Langsamkeit, Natur ist Zu-sich-selbst-finden usw. Natur wird nicht reflektiert, sie ist in diesem Film einfach nur da. Man findet sie in den erhabenen Bergansichten rings umher, im zerfurchten Gesicht des Almöhi (wunderbar gespielt von Bruno Ganz, nie wieder wird man sich den Almöhi anders vorstellen können als in dieser Verkörperung) und am Ende in den unschuldigen Gestalten der Kinder Heidi, Klara und Peter.

Montag, 14. Dezember 2015

Heinrich Heines Liebste und Ludwig Feuerbachs Gott


Im Kölner Dom hängt in einer Seitenkapelle ein Marienbild. Im Gesicht der schönen Gottesmutter hat Heinrich Heine auf einer Reise* nach Köln die Züge einer Geliebten wiedererkannt. Er hat ein Gedicht über dieses Bild gemacht:

Im Rhein, im heiligen Strome,
Da spiegelt sich in den Well'n
Mit seinem großen Dome
Das große, heilige Köln.

Im Dom, da steht ein Bildnis,
Auf goldenem Leder gemalt;
In meines Lebens Wildnis
Hat's freundlich hineingestrahlt.

Es schweben Blumen und Englein
Um unsre Liebe Frau;
Die Augen, die Lippen, die Wänglein,
Die gleichen der Liebsten genau.