Das besondere an Peter Thiel für mich ist weniger seine Unterstützung der MAGA-Bewegung von Donald Trump, sondern viel mehr seine Theorie von der Entwicklung der Welt auf einen letzten Totpunkt hin. Er hat dies in einem langen Interview mit der New York Times dargelegt, die ich im folgenden für alle zugänglich verlinkt habe.
Er erklärt darin gleich zu
Beginn, dass die wirtschaftliche Entwicklung in vielen Bereichen zu einem
Stillstand gekommen ist oder sich zumindest verlangsamt hat. Diese
pessimistische Weltsicht wird von Thiels allgemeiner Anschauung getragen, dass
eine Endzeit recht unmittelbar bevorsteht. Sie wird allerdings , so der zweite Teil seiner Theorie, durch eine
gnädige Einrichtung noch ein wenig aufgehalten. Das ist die Rede vom Katechon,
den Peter Thiel aus einigen apokalyptischen Stellen der Bibel herausgelesen
hat.
Offenbar greift er dabei auf den deutschen Staatsphilosophen
Carl Schmitt (1888-1985) zurück, der über den Katechon
geschrieben hat.
Der Glaube an den Katechon ist die einzige Möglichkeit, Geschichte christlich zu verstehen.
Erwähnt wird der Katechon im zweiten Kapitel des 2. Thessalonicherbriefes, in welchem über die Wiederkunft, Christie, die Parusie gesagt wird:
(Vers 7) Das Geheimnis des Frevels ist bereits wirksam; nur muss der, der es jetzt aufhält (katechon), erst hinweggetan werden.
Wenn man den Einwand beiseite lässt, wonach aus der MAGA-Bewegung nichts Gutes kommen kann, so bleiben doch zwei Gegenargumente gegen die Überlegungen von Peter Thiel.
Zum einen ist die endzeitliche Ausrichtung der Weltgeschichte kaum aus dem Bereich des Glaubens in den Bereich des konkreten Wissens zu übertragen. Man spürt das beim Lesen des Interviews mit der New York Times, in welchem Peter Thiel seine kulturkritischen Aussagen selbst relativiert. Es gäbe durchaus noch Fortschritt, etwa im Bereich der Computer, gibt er zu. Wenn also nicht alles den Bach heruntergeht, ist kein Katechon notwendig.
Der zweite Einwand ist komplizierter. Die Aussagen aus dem zweiten Thessalonicherbrief sind traditionell sehr verschieden gedeutet worden und eine neuere Deutung (Norbert Baumert) geht von der Annahme aus, dass Paulus nicht von der Gegenwart Gottes in der Wiederkunft Christi (Parusie) ausgeht, sondern von der charismatisch jederzeit zu erfahrenden Gegenwart Gottes im Gottesdienst. Entsprechend wäre der böse Gegenspieler, der Katechon, ein in der Gemeinde lebender Hochstapler, der die Gegenwart Gottes gewissermaßen herbeizaubern möchte oder gar sich selbst als Träger dieser Gegenwart feiern lässt.
Beide Einwände würde dem Katechon des Carl
Schmitt und des Peter Thiel größtenteils den Boden entziehen.
