Dienstag, 31. Juli 2018

Behandelt uns anders!




Edvard Munch: Melancholie
Zwei Frauen baten jüngst unabhängig voneinander in zwei großen Zeitungen auf recht dramatische Weise darum, nicht mit den gängigen Klischees überzogen zu werden, die sich mit psychischen Erkrankungen verbinden.

Die eine, Rhiannon Picton-James, eine Frau aus Wales, bittet in der New York Times darum, kein "Merchandise" aus ihrer Krankheit zu machen, also keine modische Handelsware. Ein Verehrer hatte von ihren Depressionen erfahren und ihr davon vorgeschwärmt, ein Liebesverhältnis mit ihr zu haben wie es der Schriftsteller Scott Fitzgerald mit seiner Frau Zelda hatte. Die muss zauberhaft schön gewesen sein - und dabei schizophren.

Freitag, 22. Juni 2018

Reliquien machen Station in Köln



In Köln konnte man in der vergangenen Woche zwei besonderen Besuchern begegnen: Zélie Martin und ihr Mann Louis, er ein Uhrmacher aus Alençon in der Normandie. Die beiden sind schon seit über 100 Jahren tot, dürfen aber derzeit als Reliquien durch die Welt reisen und werden an vielen Orten mit großer Verehrung empfangen.

Samstag, 2. Juni 2018

Das moderne Selbst – innerlich, alltäglich, natürlich



Wenn es in diesem Buch, das voll ist mit schweren philosophischen Überlegungen, etwas gibt, bei dem man anhalten, zur Ruhe kommen und ein paar Dinge verstehen kann, dann sind es immer wieder die Punkte, in denen Taylor uns die Werte vorstellt (er spricht von "goods" , also Gütern oder Gutem), die heute grenzüberschreitend vielen unterschiedlichen Menschen auf der Welt gemeinsam sind.

Taylor schildert sie in drei großen Kapiteln anhand von drei großen Bereichen.

Da ist zum ersten der Bereich der Innerlichkeit, der Hinwendung auf ein inneres Wesen, in dem unser Selbst wohnt. Dass wir in uns selbst gehen, in unserer Seele forschen, das war nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Das alte griechische Denken war eher von Dingen außerhalb von uns selbst bestimmt. Der Sinn des eigenen Lebens konnte nur erkannt werden, wenn man die Sinnhaftigkeit der äußeren Dinge, ihre Ordnung um uns herum verstanden hatte.

Freitag, 9. Februar 2018

Eine Ehre für Nordirland



Harry Gregg
Wie er da im Anzug auf der Tribüne in Malmö sitzt und nervös die Zunge gegen seine Wange drückt, so hat sich sein Bild tief in meine Erinnerung eingebrannt. Vor 60 Jahren spielte er als Torwart von Nordirland eine sehr erfolgreiche Weltmeisterschaft, und ich bekam ein reich bebildertes Album von diesem Ereignis später zu Weihnachten geschenkt. Ich lernte Teile davon auswendig, die Mannschaftsaufstellung der Deutschen von damals kann ich heute noch hersagen, die Spielergebnisse hatte ich ebenfalls komplett im Kopf, manche davon ebenfalls noch heute.

Sonntag, 21. Januar 2018

Abrahams Teppich

In Angelika Neuwirths neuem Buch wird die Geschichte der islamischen Aneignung der Abrahamsgestalt erzählt. Diese Aneignung ist geistreich und ungewöhnlich und in der Bewertung von Frau Neuwirth "revolutionär".

Die Entwicklung des neuen Abrahamsbildes der Muslime vollzieht sich in mehreren Stufen. Der durch Mohammed eingeleitete Rückkehr zum Monotheismus beginnt in Mekka und hat als eins seiner Zentren die im Koran siebenmal wiederholte Geschichte, wonach Abraham in seiner Heimatstadt die alten tönernen Götzen als Machwerk erkennt, sie entlarvt und sie zerstört. Abraham begegnet den Gläubigen als jemand, der eigene kritische Gedanken entwickelt und dann mit Witz und Tatkraft in die Geschichte eingreift. Anders als beim Abraham der Bibel erfährt der Leser des Korans nichts von desssen Vertrauen in den Gottesruf, der Abraham aus seiner Heimat fort und in ein neues Land führt.

Samstag, 20. Januar 2018

Ein Bocuse-Rezept


Moules à la marinière, Muscheln nach Seemansart - seit vielen Jahren halte ich mich an dieses schöne und einfache Rezept, bei dem am Ende der Sud noch ein wenig eingekocht, "reduziert" wird.

Aus dem Buch "Die Neue Küche", mit dem Originaltitel "La Cuisine du Marché", welche den Grundgedanken von Bocuse am besten zum Ausdruck bringt: das Kochen beginnt morgens mit einem sorgfältigen Einkauf auf dem Markt.

Dienstag, 2. Januar 2018

Gerechtigkeit und Symmetrie


Angelika Neuwirth hat für die Entstehung des koranischen Begriffs von Gerechtigkeit ein schönes Bild. In der Sure 90 "Die Stadt", in der es eindrückliche Bilder von sozialer Gerechtigkeit gibt, Bilder, die unmittelbar dem Alten Testament entnommen sein könnten, wird zunächst auf die menschliche Schöpfung Bezug genommen (Q 90: 8-9)

Haben wir ihm nicht zwei Augen eingesetzt
und eine Zunge und zwei Lippen?

Frau Neuwirth führt aus, dass es in einer anderen Koranstelle (Q 82:7) heißt, Gott habe den Menschen "erschaffen, fein gebildet und ins Gleichgewicht gebracht". Das arabische Wort für Gleichgewicht (addala) ist das Stammwort für das spätere Wort für Gerechtigkeit (adl). Die Symmetrie der menschlichen Ausformung, das schöne Gleichgewicht, ist das Urbild für Gerechtigkeit, ganz ähnlich wie das Bild der ebenfalls symmetrischen Waage.