Mittwoch, 16. Oktober 2013

Mein Onkel


Meine Großeltern mit ihren Söhnen.
Hinten links mein Vater Adolf Runkel,
in der Mitte Hermann, rechts Johannes
Heute jährt sich sein Todestag zum zehnten Mal: Johannes Runkel, geboren 1925, der jüngere Bruder meines Vaters, fast 20 Jahre unser Nachbar, zehn Jahre mein Chef im Unternehmen der Familie, lebenslang eine Identifikationsfigur, im Guten wie manchmal auch im Schlechten. Er konnte Klavier spielen. Ich hörte ihm als Kind abends mit an die Wand gepresstem Ohr zu und versuchte am nächsten Tag seine schönen Harmonien, für die er keine Noten brauchte, und seinen weichen Anschlag zu imitieren.
Er konnte kochen. Und er konnte als gelernter Chemiker auch erklären, wie ein bestimmter Geschmack „funktioniert“ und wie man ihn verstärken kann. Er liebte wie Luther Wein, Weib und Gesang. Am schönsten war es, wenn er zur Gitarre Ich will zurück nach dem winzigen Haus sang, von einer Südseeinsel war die Rede und einem braunen Kind, das auf ihn wartete. Braunes Biest sang er oft, um die Sehnsucht nicht allzu sehr hochkommen zu lassen. Er hatte in seinem großen, schweren Körper eine zarte Seele, das machte ihn für viele menschliche Beobachtungen wunderbar sensibel aber als Chef manchmal auch verletzend, wenn er selbst verletzt war. In den Jahren vor seinem Tod habe ich ihn regelmäßig besucht und vieles von ihm erfahren, was ich als einen Schatz an Erzählungen bewahre, auch als einen Schatz im Glauben. Als er tot in seinem Bett lag, habe ich mit seinen Kindern um ihn herum gesessen und Abschied genommen, gerade als ob ich zu ihnen gehörte. Irgendwie stimmte das auch.    

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