Dienstag, 16. Dezember 2014

Pastor Sunday Adelaja zwischen Glauben und Politik


Kirche Nr. 3 in meiner Internet-Reise zu acht Kirchen in fünf Kontinenten

Mitglieder von evangelikalen oder pfingstlerischen Gemeinden können zum demokratischen Aufbau Ihres Landes beitragen und tun es auch auf vielfältige Weise (es gibt Untersuchungen hierzu, ich will später noch versuchen, etwas darüber zu finden). Wer gelernt hat, vor Teilnehmern eines Bibelkreises oder eines Gottesdienstes frei zu sprechen, oder wer sogar gelernt hat, solche Kreise verantwortlich zu führen, kann seine Fähigkeiten oft auch auf eine Mitarbeit in einer Partei, einer Gewerkschaft oder einem Parlament zu übertragen.

Ein Mann, dessen noch junge Gemeinde eine Vielzahl von Politikern in den
Sunday Adelaja
öffentlichen Raum entsandt hat und der selbst wohl auch immer wieder vom Wohlwollen dieser Politiker gelebt hat, ist der heute 47-jährige Pastor Sunday Adelaja in Kiew / Ukraine. Seine Gemeinde ist in kaum mehr als 20 Jahren von einer Stubenversammlung zu einer Mega-Church mit 25.000 Mitgliedern gewachsen und hatte unter anderem eine Zeit lang den Bürgermeister von Kiew als prominentes Mitglied.
Aus dem, was man über Pastor Adelaja  im Internet (etwa im englischen Wikipedia) erfahren kann, wird aber auch das komplizierte, offenbar nicht immer auf einem hohen moralischen Niveau zu haltende Zusammenspiel von Glauben, Geschäften und Politik deutlich.

Der junge Sunday hatte sich im Alter von 19 Jahren in Nigeria bei einem Fernseh-Gottesdienst zum christlichen Glauben bekehrt und war kurz danach als Stipendiat zu einem Studium in die damalige Sowjetunion aufgebrochen. Nach einigen Irrungen und Wirrungen, die er in seiner Biografie (in Englisch) beschreibt, gelangte er Anfang der 90er Jahre nach Kiew, in einer Zeit, in welcher nach dem Zusammenbruch des Kommunismus an vielen Stellen der Gesellschaft neue Anfänge möglich waren und ersehnt wurden.
Die kleine Gemeinde, welche Pastor Adelaja damals gründete, wuchs in riesenhaften Schritten zu der heutigen "Embassy of the Blessed Kingdom of God for all Nations". Der junge  Pastor wurde bald ein über die Grenzen der Ukraine bekannter Mann. Dass er mit seiner schwarzen Hautfarbe in nördlichen Grau von Kiew ein Fremdkörper war, hat die orthodoxe Kirche in Versuchung gebracht, es gegen ihn auszunutzen und ihn als "chocolat rabbit" verächtlich zu machen. Seine Gemeindemitglieder dagegen haben das vermutlich eher umgekehrt empfunden und die Weltoffenheit gefeiert, die sich mit der exotischen Herkunft ihres Pastors verband.
Aus dem Eintrag im englischen Wikipedia wird deutlich, dass seine Koalitionen mit den wechselnden Machthabern in der Ukraine nicht immer nur glücklich waren. Der Bürgermeister von Kiew (er heißt LeonidChernovetsky und hatte sein Amt zwischen 2006 und 2012 inne) fiel später in Ungnade und hat als Mitglied der Oligarchie einen nicht unumstrittenen Ruf.
Noch mehr geschadet hat dem Pastor  die Affäre um die so genannte „King's Capital“, einer Geldanlagegesellschaft, die ein früheres Mitglieder seiner Gemeinde aufgebaut hatte, und die später in Konkurs geriet. In einer im Internet nachzulesenden Predigten vom 7. März 2011 spricht er von Führerschaft und Verantwortung und redet auch offen von den Lehren, die er aus der gescheiterten Aktion „King's Capital“ gezogen hat.
Auf seiner Homepage ist er mit den Großen der Welt auf verschiedenen Fotos zu sehen, Clinton, Kofi Annan, Ariel Sharon und andere. Er ist ein gefragter Redner, der amerikanische Senat lässt ihn sprechen, die UNO und andere Institutionen. Seine Theologie ist konservativ und evangelikal, sicherlich der Predigtweise der Kirchen in Guatemala und Ghana verwandt, über die ich vorher geschrieben habe.
Seine Gemeinde erwähnt auf ihrer Homepage selbstverständlich eine Vielzahl von sozialen Aktivitäten. Unter den Gründen, warum weltweit die Menschen aus den alten Kirchen, besonders aus der katholischen, austreten, wird auch immer wieder der praktische Grund genannt, dass man in den neuen Kirchen mehr an sozialer Hilfe erwarten kann. Dem wird auch Pastor Sunday Adelajas  Kirche in Kiew gerecht.

Mein nächster Besuch führt mich nach China, in eine eher kleine Hauskirche in Nanle, Provinz Henan. 

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