Samstag, 20. Dezember 2014

Pastor Zhang im Gefängnis


Kirche Nr. 4 in meiner Internet-Reise zu acht Kirchen in fünf Kontinenten

Um Pastor Zhang Shaojie im Landkreis Nanle, der zur zentralchinesischen Provinz Henan gehört, zu finden, musste ich im Internet länger suchen. Seine Kirche gehört vielleicht zu den am schnellsten wachsenden christlichen Denomination in der Welt, sie muss sich aber weitestgehend unerkannt halten, weil der chinesische Staat Kirchen wie die von Pastor Zhang unterdrückt.

Die Kirche gehört zu einem Netzwerk von „Hauskirchen“, die nicht zu der offiziell anerkannten Kirche des Three-self Patriotic Movement in China gehören. Diese staatlich geduldete kirchliche Organisation ist aus verschiedenen protestantischen Missionen entstanden und wurde am Ende des 19. Jahrhunderts in die Selbstständigkeit entlassen. Sich selbst verwalten, sich selbst versorgen und selbst missionieren, das sind die drei „Selbst“, die der Kirche den Namen „Three-self “ geben.
November 2014: ein Kreuz wird von einer
Kirche in Taizhou, Zhejiang entfernt
Ihre Organisation steht unter staatlicher Aufsicht und genießt - anders als die Hauskirchen - gewisse Freiheiten. Allerdings berichtet die Internetseite ChinaAid nicht nur von repressiven Maßnahmen gegen die Hauskirchen, sondern auch gegen die offizielle Kirche von Three-self. Besonders störend empfindet die chinesische Obrigkeit offenbar das Vorhandensein von Kreuzen. So wird von Maßnahmen berichtet, wo Kreuze zwangsweise von vorhandenen Kirchen abgebaut werden.
Pastor Zhang ist ins Gefängnis gekommen, nachdem es einen offenkundig gefälschten Betrugsverdacht gegen ihn gegeben hat. Seine mittlerweile in die USA geflohene Tochter berichtet, er habe einer Gemeindefamilie, die von einem tödlichen Arbeitsunfall betroffen war und keinerlei Entschädigung erhalten hatte, durch nachhaltiges Drängen an höheren Stellen eine namhafte Unfallzahlung verschafft. Aus Dankbarkeit habe die Familie eine kleine Summe des Betrages an die Kirche gespendet. Daraus wurde von den staatlichen Religionswächtern ein manipulierter Betrugsvorwurf gemacht.
Vielfältig sind die Internetaktivitäten von ausländischen Hilfsgruppen, die sich um das Schicksal der Christen in China kümmern – 62 Millionen Gläubige sind es dort, nach unterschiedlichen Schätzungen. Die bereits erwähnte Organisation „ChinaAid“ berichtet laufend von einzelnen Verfolgungen in China. Die Seite „China 18“ ein Zusammenschluss von rund 35 Hilfsorganisationen macht auf das Schicksal von inhaftierten Dissidenten aufmerksam. Darunter befinden sich nicht nur Christen, sondern auch politisch aktive Chinesen und Mitglieder anderer Glaubensgemeinschaften oder Weltanschauungen.

Pastor Zhang wird noch warten müssen, bis er seine Hauskirche wiedersehen kann. Seine Strafe lautet auf zwölf Jahre, erst eines davon hat er hinter sich. Er kann sich berechtigte Hoffnungen machen, dass er die Gemeinde anders antreffen wird, als er sie verlassen hat: gewachsen und innerlich gestärkt.

Meine nächste Internet-Reise geht nach Ägypten, zur Kasr El-Dobara Church des Arztes Dr. Maurice Sameh in Kairo.
 
 

Kommentare:

Peter Oberschelp hat gesagt…

Denomination: Nach meinem bisherigen Verständnis definiert sich eine Denomination durch bestimmte Glaubensmerkmale, Bekreuzigen mit zwei oder mit drei Fingern oder gar nicht, etwas in dieser Art, hier scheinen sie allein durch die Person eines einzelnen Predigers bestimmt.

Christian Runkel hat gesagt…

Ja, Peter, ich habe zu wenig über das Besondere der "Denomination" der chinesischen Hauskirchen geschrieben. Ich habe keine englischen Homepages von ihnen finden können, vermute aber, dass sie ähnlich evangelikal-pfingstlerisch sind wie die drei Kirchen, die ich vorher geschildert habe.