Dienstag, 27. August 2019

Havelurlaub (III) - "Ich bin in Rheinsberg glücklich gewesen"

Diese Worte des Königs Friedrich stehen in Rheinsberg über einer Gaststätte, die an seine Zeit in Rheinsberg erinnert und "Der Alte Fritz" heißt. Friedrich ist nach überstandenen Konflikten mit seinem Vater, dem Soldatenkönig, nach Rheinsberg gezogen und hat eine Entfernung von 80 km zwischen sich und Berlin gelegt. Er hat in seinem Rheinsberger Studierzimmer, das man heute noch besichtigen kann, Muße und Ruhe gefunden, wenn auch nur für vier Jahre, an deren Ende der alte König in Berlin starb und Friedrich mit 28 Jahren die Thronfolge anzutreten hatte.

Zum Frieden gehörte wohl auch, dass er sich dem Willen des Vaters darin gebeugt hatte, dass er eine Ehe eingegangen war. Diese war aber offenbar nur der Form halber geschlossen worden. Friedrich und seine Frau Elisabeth Christine haben nur in den vier Rheinsberger Jahren unter einem Dach gelebt. In Berlin und Potsdam hatte später jeder ein Haus für sich.

Das Rheinsberger Haus hat Friedrich später seinem jüngeren Bruder Heinrich geschenkt, dessen Erinnerung hier in Rheinsberg sehr viel lebendiger ist als die Erinnerung an Friedrich. Heinrich hat mit Unterbrechungen fast 50 Jahre hier gelebt und ist auch hier gestorben. Auch er hatte nur auf Wunsch des Vaters geheiratet, auch er „machte sich nichts aus Frauen“ wie Theodor Fontane schreibt.

Ob auch Heinrich in Rheinsberg glücklich gewesen ist, ist nicht ohne weiteres zu beantworten. Die Museumsdiener, die heute das Schloss beaufsichtigen, sind, wie ich in verschiedenen Gesprächen mit ihnen feststellen konnte, allesamt Anhänger des Prinzen Heinrich und haben dessen Theorien übernommen, wonach die Feldzüge Friedrichs des Großen von ganz anderen Menschen bestimmt und gewonnen wurden als Friedrich das nach seinen Schlachten gerne selbst erzählt hat.

Rheinsberg ist nach dem Tode des alten Fritz (1786) ein Zentrum für seine Kritiker geworden. Es waren nicht wenige, und Heinrich, der seinen älteren Bruder um 16 Jahre überlebte, hat dieser Kritik einen prominenten Platz gegeben, indem er im Schlosspark einen Obelisken mit den Namen von 28 Offizieren aufgestellt hat, die in den Kriegen Friedrichs des Großen bedeutende Rollen gespielt haben.

Friedrich selbst fehlt, dafür ist aber sein Bruder August Wilhelm erwähnt, der einer von Friedrichs Generälen war und der von diesem einmal vor versammelter Mannschaft verbal so gedemütigt wurde, dass der arme Mann kurz darauf vor Gram starb. Immerhin gab Friedrich der Familie von August Wilhelm die Ehre, dass mit dessen Sohn Friedrich Wilhelm der nächste König bestimmt wurde. Man hätte auch Heinrich zum König machen können, sagten mir die Bediensteten im Schloss und machten auch deutlich, dass dies wohl die bessere Wahl gewesen wäre.

Friedrich und Heinrich liebten die Frauen nicht, liest man bei Fontane, der in Bezug auf Heinrich ergänzt, dass er auch den Wein nicht geliebt hat. Solche lapidaren Sätze dokumentieren eine Einstellung zur Homosexualität, die spätestens dann nicht mehr möglich wurde, als in der Zeit Fontanes, also um die Mitte des 19. Jahrhunderts dieser Begriff erstmals entwickelt und zu einem medizinischen Sachverhalt gemacht wurde.

Ein evangelischer Theologe, der sich sehr für die Rechte Homosexueller einsetzt, möchte das Wort am liebsten nicht benutzen, weil es sich so nach weißem Kittel und Pinzette anhört, wie er sagt. Ich finde das verständlich, kann allerdings der Anklage des Mannes, die Menschen hätten die Homosexuellen jahrhundertelang grausam verfolgt, nicht durchgängig nachvollziehen. In Rheinsberg war das, was man damals weder als Homosexualität verstand noch so nannte, in ein breiteres Verständnis von menschlichen Eigenarten eingepackt. Dass jemand die Frauen nicht liebt und nicht den Wein – was geht das die anderen an?



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