Dienstag, 22. November 2011

Die letzten Minuten meines Großvaters


Vor ein paar Wochen habe ich über den eigenartigen Tod meines Großvatrers hier im Blog berichtet. Mittlerweile habe ich aus der Gemeinde Hunsheim die Tonbandaufzeichnung bekommen, auf der die Rede zu hören ist, die er wenige Minuten vor seinem Tod hält, aber auch der Moment, in dem sich wenig später der nächste Redner unterbricht und man im Hintergrund hören kann, wie der vom Schlag getroffene Großvater hinausgetragen wird.


Ich gehe der Reihe nach vor: der Großvater verliest zunächst das Gebet des Königs Salomo bei der Einweihung des Jerusalemer Tempels aus 2. Chronik 6, 12 - 21, hier ein kurzer Abschnitt mit den ersten Worten:

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Danach fügt er ein paar eigene Worte an, bevor er dann seinerseits ein langes Gebet anschließt und den Schlüssel übergibt. Die Pathetik in seiner Stimme ist für heutige Ohren sehr ungewöhnlich, sie wiederholt sich aber in den Reden der anderen Beteiligten in ganz ähnlicher Weise. Hier seine Rede, etwas über drei Minuten lang:
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Auf dem folgenden, etwa eine Minute langen Ausschnitt aus der Tonbandaufzeichnung ist zu hören, wie der Gemeindeälteste Ernst Decker, der den Schlüssel übernommen hat, den zweiten Teil der Kapelleneinweihung beginnt. Die Gemeinde hat die Feierlichkeiten zunächst draußen vor der Tür verfolgt hat und ist dann ins neue Haus gegangen:

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Bereits nach wenigen Worten unterbricht er sich, man hört im Hintergrund Geräusche, der Großvater, der mit den Ehrengästen vorne auf dem Podium Platz genommen hat, ist (wie man mir später erzählte) nach vorne gesackt und mit dem Kopf auf den vor ihm stehenden Tisch gesunken. Nach etwa einer halben Minute wird nach einer Decke gerufen. Hier hört der obige kurze Abschnitt auf.

Auf dem Originalband hört man später dann weitere Geräusche, zwei Männer beginnen zu beten, es werden weitere Helfer zum Tragen „unseres Vaters Runkel“ nach vorne beordert, bereits zweieinhalb Minuten nach der Unterbrechung kommt die Nachricht, dass der Großvater „wahrscheinlich heimgerufen wurde“.

Wenige Minuten später wird nach weiteren Gebeten angesagt, dass man mit Rücksicht auf „unser Gefühlsleben“ noch etwas Stille walten lassen will, dann aber  mit dem Weihegebet Fortsetzung im geplanten Programm machen wird.

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