Montag, 2. Oktober 2023
In der badischen Toskana
Donnerstag, 21. September 2023
"Es ist in keinem anderen Heil"
Die Kuppel und der umlaufende Bibelspruch gehen auf den frommen König Friedrich Wilhelm IV. zurück, unter dessen Regierung zwischen 1840 und 1861 man Bibelworte aus Apostelgeschichte 4,12 und Philipper 2,10 zu dieser Inschrift zusammengefügt hat*. Das eine ist ein Wort des Petrus, das andere eins des Paulus. Wenn man den Zusammenhang liest, in den Paulus seine Wort gestellt hat (es beginnt bei "dass in dem Namen Jesu"), verliert das imperial klingende Bild vom Beugen aller Knie seine harte Gewalt und kehrt sich in das Gegenteil um. Denn der Gottesmann, vor dem sich am Ende der Zeiten die Menschen verneigen werden, ist eine demütige Gestalt, die sich aller Ehren und Würden entäußert hat, um in vollkommener Weise den Menschen zu dienen.
Mein verstorbener Vater hat das Paulus-Wort geliebt. Er hat seine eigene, in vielfacher Weise vom Mainstream der Kirchen abweichende Glaubensrichtung, die „Allversöhnung“, besonders an diesem Wort festgemacht. Er war der Überzeugung, dass die Menschen eines fernen Tages vollkommen freiwillig und aus echter Überzeugung Jesus huldigen werden. Für meinen Vater war es nicht vorstellbar, dass sie nur für einige Momente aus der Hölle geholt und später wieder dorthin zurückgebracht würden. Hier war im Gegenteil ein Moment, in dem alle Strafen und jegliches Höllenfeuer ihr Ende gefunden hatten – in der großen Versöhnung Gottes mit allen Menschen.Als ich zum ersten Mal von der Inschrift an der Kuppel gehört habe, dachte ich sogleich an meinen Vater und daran, dass er sich tief über diese Inschrift gefreut hätte.
Sie steht nun also über Berlin, auch wenn man sie nur aus der Nähe lesen kann. Gegen die vielen Kritiker möchte man mit Pontius Pilatus sagen: was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.
*ES IST IN KEINEM ANDERN HEIL IST AUCH KEIN ANDERER NAME DEN
MENSCHEN GEGEBEN DENN IN DEM NAMEN JESU ZUR EHRE GOTTES DES VATERS DASS IN DEM
NAMEN JESU SICH BEUGEN SOLLEN ALLER DERER KNIE DIE IM HIMMEL UND AUF ERDEN UND
UNTER DER ERDE SIND
(im Original in Großbuchstaben und ohne Satzzeichen)
Mittwoch, 13. September 2023
"Ihr verzehntet die Minze und den Kümmel"
So genügt es ihnen nicht, auf wichtige Erträge der Landwirtschaft eine Kirchensteuer zu erheben, sie wollen 10% auch von solchen Kleinigkeiten wie von Minze und Kümmel haben.
Jesus hat für solche Regeln, welche die Menschen nur belasten, viel Kritik. Er sagt: die Pharisäer halten die Vorschriften selbst vielfach nicht ein, sie nutzen sie zum eigenen Vorteil und vieles andere mehr. Sein wichtigstes Urteil findet sich einige Kapitel vorher, wo er die Menschen einlädt, seinem eigenen, so ganz anders gearteten Programm zu folgen. „Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“
Eine moderne amerikanische Übersetzung, die Message Bible, konkretisiert die Belastungen der damaligen Menschen und übersetzt, sie sind burned out on religion. Das ist ein modernes Wort, aber im Licht der kleinlichen Pharisäer-Vorschriften, die Jesus kritisiert, erscheint mir die Übertragung in diesen Begriff richtig zu sein.
Ja, man kann tatsächlich religiös burned out sein, und was das heute konkret bedeuten kann, wird an der wachsenden Zahl der Nones in den Vereinigten Staaten deutlich, die in den letzten Jahren zu großen Zahlen, ihre Kirchen „geghostet“ haben, um auch hier ein modernes Wort zu verwenden. Sie sind weder Atheisten noch Agnostiker geworden, bekennen sich zu keiner religiösen Gegenbewegung, sie haben nur aufgehört, sich zu den Gottesdiensten ihrer Kirchen einzufinden. Die New York Times beschäftigte sich jüngst mit ihnen.
Um 10 % ist durch diese stummen Abschiede der Kirchenbesuch in den USA in den letzten zehn Jahren zurückgegangen. Es war eine Entwicklung ohne Auseinandersetzung – man ging einfach nicht mehr hin.
Wenn ich mich sonntags in meiner eigenen Kirche, einer Baptisten-Gemeinde in einer mittelgroßen rheinischen Stadt, umsehe, so erscheinen mir die Vorgänge hier ganz ähnlich zu sein. Auch bei uns sind viele Plätze leer, die noch vor Corona Sonntag für Sonntag gut gefüllt waren. Man hat die Leere zunächst auf die schleppende Rückkehr der Menschen zurückgeführt, die durch Corona für viele Monate am Gottesdienstbesuch gehindert waren. Aber mittlerweile reicht Corona nicht mehr als Erklärung.
Ich sitze manchmal unter den Zuhörern und frage mich, ob nicht bereits die stille Teilnahme an einem Programm, das einem in vielen Stücken keine Freude macht, eine Last darstellt, welche der Steuer der Pharisäer auf Minze und Kümmel entspricht. Es ist eigentlich nichts, gegen das man aufbegehren möchte, die Zeit der großen Kirchen-Reformation ist ja vorbei. Aber es ist etwas in den wenig inspirierten Ritualen, den kaum ansprechenden Liedern und auch in den Predigten, das die Zuhörer wünschen lässt, sie wären jetzt ganz weit weg von dieser Kirche, ganz woanders.
Die Predigten nehmen vielfach keine Rücksicht darauf, dass die Menschen gar nicht belehrt werden wollen. Dass man Paulus an dieser Stelle doch ganz anders (!) verstehen müsse oder dass man dringend (!) andere Verhaltensweisen an den Tag legen müsse, um bestimmte Missstände zu verhindern, das tut letztlich weh und legt den Zuhörern eine Last auf. Wer will das hören?
Wie anders wäre es, wenn tatsächlich Jesus vorne stehen und das wiederholen würde, was er früher gesagt hat „Kommt her zu mir … meine Last ist leicht“. Generationen von Theologen haben diese Worte beständig in Zweifel gezogen, vermutlich ohne es zu wollen, denn Glaube war für sie Anstrengung, Arbeit. Das Reich Gottes war für sie ein großes Betätigungsfeld, in das jeder eingeladen war, der seine Ärmel aufkrempeln konnte.
Aber nun steht Jesus vor uns und sagt „Meine Last ist leicht“. Ich kann mir nicht helfen – ich sehe hier immer das liebenswürdige Gesicht, des ägyptisch-irischen Schauspielers Jonathan Rumie vor mir, der in der neuen Jesus-Verfilmung The Chosen den Jesus spielt. Ja, auch er redet und dringt in die Herzen der Leute ein. Aber wer zu ihm kommt, sieht ein lachendes Gesicht, und bekommt eine Umarmung.
„Ich bin der Weg“ sagt Jesus „und die Wahrheit und das Leben.“ Ich bin die Brücke zum Vater aller Barmherzigkeit. Bei mir wird die Last der Religion leicht.
Montag, 31. Juli 2023
Ein böser Ausrutscher
Der 26. Juli 2023 wird mir vermutlich als einer der dunkelsten Tage in meiner persönlichen Geschichte in Erinnerung bleiben. Ich hatte mit etwas schlechtem Gewissen eingewilligt, mit meinem bei uns für eine Woche in Ferien lebenden Enkel Jakob, 11, in das berühmte Stadion von Borussia Dortmund zu fahren. Es liegt eine halbe Stunde von Remscheid entfernt und fasst über 80.000 Zuschauer. Es ist damit das größte Stadion in Deutschland. Mein schlechtes Gewissen war darin begründet, dass ich meinem Enkel eigentlich etwas anbieten wollte, was er gerne für immer mit dem Besuch bei seinem Großvater verbinden könnte – eine Kirche, ein Museum, eine Bibliothek oder so. Stattdessen nun also den Tempel eines unterhaltsamen, aber gleichzeitig auch sehr geldgierigen und fragwürdigen Kommerzes. Das war nicht so ganz in meinem Sinne, und das hat vielleicht auch dazu geführt, dass ich am Ende in die Probleme geraten bin, von denen ich erzählen will.
Es fing damit an, dass ich auf meinem Navi (Google Maps auf dem Handy) die unmittelbare Adresse des Stadions angegeben hatte, nicht die Adresse der vielen Parkplätze im Bereich des Stadions. Ich hatte vermutet, dass die Besucher während der Woche genügend Parkraum direkt am Stadion vorfinden würden. Später habe ich gesehen, dass das wohl auch stimmte.
Das Navi zeigt mir nun aber keine Straße direkt zum Stadion, sondern einen Seitenweg, der von der vierspurigen Straße, auf der ich mich befand, dem "Krückenweg", abbog und dann geradewegs zum Stadion führte. Zunächst habe ich den Weg gar nicht gefunden, weil er sehr schmal war und nur als Zufahrt zu einer Kleingartenanlage beschildert war. Als ich dann beim zweiten Versuch in diesem Weg einbog, war er zunächst mit Betonpflaster versehen, im weiteren Verlauf dann sauber geschottert und führte an einem Parkplatz vorbei, der für die Kleingartenanlage eingerichtet war. Danach wurde er schmaler und endete nach etwa 200 m an einem rot-weiß lackierten Stab, der den Weg versperrte.Seitlich vom Stab war noch etwas Platz, so dass ich - "dies muss doch ein Weg sein, wenn Google es sagt" - versucht habe, daran vorbei zu fahren. Der entscheidende Fehler war dann wohl, dass ich die Griffigkeit des Schotterbelages überschätzt habe und bei der Korrektur meines sinnlosen Vorhabens beim vorsichtigen Zurücksetzen seitlich abgerutscht bin. Ich kam in der Nähe einer Hecke in einem Graben zum stehen. Von dort war es dann leider nicht mehr möglich, wieder auf dem Weg zu kommen, weil die Räder auf dem losen Schotterbelag durchdrehten. Nach einigem hin und her habe ich den ADAC angerufen und von einer sehr freundlichen Telefonzentrale, den Kontakt zu einem Abschleppdienst bekommen.
Zwischenzeitlich hatte Regen eingesetzt, und ich war beim Versuch, einiges außen am Auto zu verändern, bis auf die Unterwäsche nass geworden. Außerdem war ich ausgerutscht und beim Sturz bis auf den Boden des Grabens gefallen. Die Situation war verzweifelt und erniedrigend – auch weil ich nicht sicher war, ob der Abschleppdienst hier eine Lösung finden würde, was ich dann tatsächlich auch als sehr zweifelhaft erwies.
Nach langem Warten, kam dann auch ein Abschleppwagen, der allerdings Mühe hatte, auf dem Schotterweg bis zu mir durchzukommen. Er blieb etwa 30 m von mir entfernt stehen und versuchte mithilfe einer Seilwinde, die er noch durch mehrere Bänder verlängerte, bis zu meinem Wagen zu kommen.
Das gelang schließlich auch, wobei die Befestigung nur an einem meiner Räder möglich war, und zwar in den Löchern der Felge. Das Anziehen mit der Winde, brachte aber keinen Erfolg, weil sich das Auto nicht bewegte und die Winde mangels ausreichender Kraft stockte.Der freundliche Fahrer, ein Libanese namens Mohammed, hat dann versucht, mit allerlei Unterlagen, darunter zwei etwa 2 m langen Aluminiumrampen, die normalerweise zu dem Abschleppfahrzeug gehörten, meinem Auto wieder einen griffigen Untergrund zu geben.
Als auch dies nicht half, versuchte Mohammed, mit einem Wagenheber die rechte Hälfte des Autos, die tief im Graben hing, soweit anzuheben, dass mehr Gewicht auf der linken Hälfte lag, so dass die linken Vorderräder auf dem ausgelegten Blech besser griffen.
Auch das half nur wenig, und auch die Steine und Bretter, die eine freundliche Nachbarsfrau aus der Kleingartenanlage zur Verfügung stellte, waren keine besondere Hilfe.
Im Nachhinein weiß ich nicht, was am Schluss dazu geholfen hat, das Auto Millimeter um Millimeter nach oben auf den Weg zu bringen. Aber etwa 3 Stunden, nachdem ich in den Graben gerutscht war, stand das Auto wieder auf dem Weg und ich konnte meine Fahrt fortsetzen, nachdem ich meinen treuen Mohammed umarmt und in bar entlohnt hatte.
Bei allem musste mein lieber Enkel Jakob entweder geduldig im Wagen warten oder am Lenkrad des Abschleppfahrzeuges tatkräftig mitwirken, indem er dort die Fußbremse fest hielt. Was er über seinen viel zu wagemutigen Großvater gedacht haben mag, wird er mir vielleicht in der Zukunft einmal verraten Gelernt hat er auf jeden Fall, dass in solchen Situationen eine äußere Ruhe notwendig ist, in der ich mir übrigens mit Mohamed dem Libanesen einig war, wie wir später festgestellt haben, als wir die ganze Sache noch einmal besprochen haben. Er ist mit uns auf Anweisung seines Chefs zu einer Sparkasse gefahren, wo ich einen recht namhaften Geldbetrag aus dem Automaten geholt habe, um die Rechnung des Abschleppdienstes sogleich zu bezahlen.
Auf dem Rückweg sind wir dann in unmittelbarer Nähe des Stadions vorbeigekommen, und Jakob konnte ein paar Bilder machen, die er seinem Freund versprochen hatte, der seinerseits das Stadion von Bayern München für Jakob fotografiert hatte. Insofern war die Fahrt nicht ganz erfolglos.
Mittlerweile steht das Auto bei einem Lackierer, der versuchen wird, zwei kleine Beulen von innen heraus zu drücken und dann Teile der zerkratzten rechten Auto Seite neu zu lackieren. Auch den abgebrochenen Rückspiegel wird er erneuern, die Folgen werden also recht bald beseitigt sein.
Ich bin am Tag darauf erwacht mit dem Gefühl, einer der dümmsten Menschen auf der Welt zu sein, und das nicht zum ersten Mal, denn mein trotziges Bestehen darauf, einmal eingeschlagene Wege auch bis zum Ende zu fahren, das ich von meinem Vater geerbt habe, hat mich auch früher schon öfter in ausweglos scheinende Situationen gebracht.
Dass ich trotz allem die Zuversicht behalten habe, wieder irgendwie aus der Situation heraus zu kommen, hat mich gefreut. Aber so durchnässt ich war, so mutlos war ich zwischendurch auch.
Freitag, 30. Juni 2023
Ein Traum
In meinem Boot saß ein dunkelhaariger Einheimischer, mit dem ich ein Weißbrot teilte, eine Art Baguette, indem ich es in der Mitte zerbrach und die Hälfte an ihn weitergab. Zu meiner Überraschung reichte der Fremde mir von der für ihn abgebrochenen Hälfte wiederum eine Hälfte zurück. Das war überaus freundlich und wirkte auf mich wie die besondere Form eines christlichen Abendmahls.
Ich beschloss, nun meinerseits von dem mir angebotenen Viertel die Hälfte an den Fremden zurückzugeben. Ich tat es und erhielt wenig später erneut die Hälfte meiner Gabe von dem Mann zurück.
Während der ganzen Zeit fuhr das Boot in ruhiger Fahrt einen großen Kreis, so dass ich die Stadt am Hang von verschiedenen Seiten sehen konnte. Es war ein Anblick voller Friede und Ruhe – und die Freundlichkeit des Fremden, der so großzügig und selbstlos mit mir teilte, machte das Ganze perfekt.
Begleitet wurde das alles von einer Stimme, die einen Abschnitt aus dem Propheten Jeremia las. Dieser Abschnitt war mir damals - ich bin mir da immer noch sicher - noch unbekannt, ich habe ihn später nachgeschlagen und dann unzählige Male in meinem Leben gelesen. Für mich ist es eine der schönsten Stellen der Bibel.
Aus Kapitel 31,31-34:
Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.
Heute kann ich sagen, dass mir die Fremdlinge vom Mittelmeer tatsächlich begegnet sind. Zuletzt in der Form eines Palästinensers, den ich als strengen Moslem kenne und gleichzeitig als einen Menschen, der die Frömmigkeit eines Christen versteht. Er hat als Fremdenführer in seiner Heimat viele christliche Gruppen zwischen Nazareth und Betlehem begleitet und ihnen seine Heimat im historischen Samaria gezeigt.
Nun haben ihn italienische Katholiken, die ganz offenkundig seine Sensibilität für den christlichen Glauben erkannt haben, nach Italien eingeladen, wo er über seine Erfahrungen sprechen soll. Als ich ihm gratulierte, schrieb er zurück
„Please
remember that you were the first christian who showed me good understanding of
my faith and introduced me to your german turk brothers.
Honestly
I learned a lot from you.
Today I
am proud I will stand on the italian stage to talk about my experience.
God
bless you dearest brother “
Samstag, 3. Juni 2023
War Kennedy Berliner?
Wir merken das vielleicht am ehesten bei der Wirkung von Liedern. Sie sprechen uns in Bereichen an, die wir vielleicht etwas zu einfach als „tiefere Ebene“ bezeichnen. Richtig ist aber, dass wir in Liedern bereit sind, Worte zu benutzen, die wir ohne Einbettung in die Musik gar nicht sagen würden. Das ist immer wieder bei religiösen Liedern der Fall, wie etwa bei dem Marienlied, dass ich im Altenberger Dom gehört habe, und dass mich alten, in der Wolle gefärbten Protestanten trotz meines Unverständnisses für Marienverehrung tief ergriffen hat.
Ähnliches ist auch oft in Worten spürbar, die durch ihre besondere Deklamation unser Herz ansprechen.
So hätte bei der berühmten Kennedy Rede – „ich bin ein Berliner“ – wohl niemand daran gedacht, man könne in der Woche darauf Kennedy wegen eines alltäglichen Berliner Problems ansprechen? Die Müllabfuhr streikt, die U-Bahn hat Ausfälle etc. – konnte man damit zu Kennedy gehen? Natürlich nicht!
Aber man hat dem Präsidenten die existenzielle Solidarität mit Berlin gerne geglaubt – auch wenn sie einer kritischen Analyse nicht standgehalten hätte.
Auch große Werke der Weltliteratur lassen sich „historisch-kritisch“ nicht bestätigen. Die Schlacht bei Borodino, so wie in Tolstois "Krieg und Frieden" beschrieben, hat möglicherweise nicht so stattgefunden. Die persönlichen Details in der Familiengeschichte der Buddenbrooks sind zwar in den Geschichten der Familie Mann nachzuverfolgen, eine genaue Untersuchung würde aber herausstellen, dass Dichtung und Wahrheit weit auseinander klaffen..
Ich erlebe den Unterschied zwischen historischer Kritik und liedhafter, rhetorischer Abbildung derzeit besonders deutlich beim Betrachten von „The Chosen“, einer Netflix-Serie, die in 24 Folgen die biblischen Berichte von Jesus nacherzählt. Viele der Szenen sind – ganz ähnlich wie bei Tolstoi und Thomas Mann– frei erfunden und werden auch zu Beginn der Serie als solche angekündigt. Sie sind aber sehr plausibel gestaltet und machen den Gang der Handlung lebendig, viel lebendiger als der Bericht in den Evangelien. Man hat kein Problem, sich diese Szenen anzusehen und zu sagen "so könnte es gewesen sein".
Problematisch dagegen ist eigenartigerweise die Wiedergabe von Szenen, die genau nach der Bibel erzählt werden, die aber ein Wunder enthalten. Am schönsten ist das vielleicht in der Szene zu sehen, in der Jesus bei der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein verwandelt. Mit einer ganz langsamen Gebärde reicht er mit der Hand in einen Wasserkrug, und wenn die Hand zurückkommt, tropft kostbarer roter Wein von ihr herab.
Der erstaunliche Effekt auf einen modernen, historisch-kritisch denkenden Menschen ist der, dass man dieses Wunder in die allgemeine Erzählung einbettet und am Ende mit der verblüffendes Erkenntnis herauskommt, dass es eigentlich so gewesen sein muss. Ohne dieses Wunder, und auch ohne die vielen anderen Wunder, die man sieht, macht die ganze Jesusgeschichte wenig Sinn. So denkt man jedenfalls am Ende.
Die Frage ist also, ob die Wunder nicht doch so geschehen sind, wie sie in der Bibel berichtet werden. Natürlich widerspricht das unserem modernen Denken. Aber will ich lieber an den Wundertäter Jesus glauben oder will ich mich auf mein modernes Denken verlassen?
War Kennedy Berliner? Natürlich war er es!
Montag, 29. Mai 2023
Mine eyes have seen the glory of the coming of the Lord
Schon sein Pastorenvater Martin Luther King I war ein vielfach untreuer Ehemann. Das hinderte ihn aber nicht daran, seinem Sohn verschiedene Lustbarkeiten zu verbieten und ihn einmal, da war der Sohn gerade 20 Jahre alt, zu einem Reue-Bekenntnis vor der versammelten Ebenezer Gemeinde in Atlanta zu verdonnern - Martin junior war tanzen gewesen.
Dieser Widerspruch ist eines der Rätsel, die nach dem Lesen der Biografie nicht verschwinden, sondern eher größer werden. Offenkundig ist, dass Martin Luther King II, ein den Menschen in jeder Hinsicht zugewandter Pastor gewesen ist, der sehr schnell die Zuneigung seiner männlichen und weiblichen Gesprächspartner gewinnen konnte. Das hat ihm ganz besonders da geholfen, wo er nicht nur Zuneigung, sondern auch politische Unterstützung und das Mitmarschieren bei den großen Bewegungen, die er angestoßen hatte, benötigte. Die meisten Menschen, die ihm begegneten, waren von seinem offenen Wesen verzaubert.
1968 ist er ermordet worden, gerade 39 Jahre alt. Die Biografie schildert den Berg von Widerständen, den King vor dem jähen Ende seines Lebens in immer stärkerem Maße zu überwinden hatte. Die Frage, wie sein Leben verlaufen wäre, hätte man ihn nicht auf dem Balkon des Lorraine Motel in Memphis erschossen, wird man nicht beantworten können. Er hatte wichtige Unterstützer verloren – der ihm zunächst zugewandte. Präsident Johnson kehrte sich mehr und mehr von ihm ab. Wichtige Freunde aus der Bürgerrechtsbewegung wurden zunehmend kritisch, besonders was seine Philosophie der Gewaltlosigkeit betraf.
Dass er trotzdem seine visionäre Kraft und die aus der Musik der schwarzen Kirchen gewonnene Redeweise bis zum Ende behielt, kann man bei YouTube sehen. Da spricht er am Abend vor seinem Tod zu den Zuhörern in der pfingstlerischen Church of God in Christ in Memphis und sagt am Ende*
Nun, ich weiß nicht, was jetzt passieren wird. Uns stehen einige schwierige Tage bevor. Aber das macht jetzt nichts, denn ich war schon auf dem Berggipfel. Es macht mir nichts aus. Wie jeder andere möchte ich leben – ein langes Leben; Langlebigkeit hat ihren Platz. Aber darüber mache ich mir jetzt keine Sorgen. Ich möchte einfach nur Gottes Willen tun. Und Er hat mir erlaubt, auf den Berg zu gehen. Und ich habe hinüber geschaut. Und ich habe das Gelobte Land gesehen. Vielleicht komme ich nicht mit Euch dorthin. Aber ich möchte, dass ihr heute Abend wisst, dass wir als Volk das Gelobte Land erreichen werden. Deshalb bin ich heute Abend glücklich. Ich mache mir um nichts Sorgen. Ich habe vor keinem Menschen Angst.
Und er schließt seine Rede mit der ersten Zeile der berühmten "Battle Hymn of the Republic"**
Mine eyes have seen the glory of the coming of the Lord.
(Meine Augen haben die Herrlichkeit des kommenden Herrns gesehen.)
* Well, I don't know what will happen now. We've got some difficult days ahead. But it really doesn't matter with me now, because I've been to the mountaintop. And I don't mind. Like anybody, I would like to live – a long life; longevity has its place. But I'm not concerned about that now. I just want to do God's will. And He's allowed me to go up to the mountain. And I've looked over. And I've seen the Promised Land. I may not get there with you. But I want you to know tonight, that we, as a people, will get to the Promised Land. So I'm happy, tonight. I'm not worried about anything. I'm not fearing any man. Mine eyes have seen the glory of the coming of the Lord.
** Mine eyes have seen the glory of the coming of the Lord
He is trampling out the vintage where the grapes of wrath are stored
He hath loosed the fateful lightning of his terrible swift sword
His truth is marching on
Glory, glory, hallelujah
Glory, glory, hallelujah
Glory, glory, hallelujah
His truth is marching on
Sonntag, 14. Mai 2023
Unser Haus
Meine Bilder von unserem Haus im Frühling, Sommer, Herbst und Winter werden immer wieder gelobt. Manche Leser dieses Blogs sehen sogar eine gewisse Idylle hinter dieser Fassade.
Es handelt sich dabei aber nur um ein einfaches, seit dem Baujahr 1954 kaum verändertes Haus. Es lässt sich nur deshalb vorteilhaft fotografieren, weil es einen recht großen Vorgarten hat. Dieser ist dadurch entstanden, dass nach Fertigstellung des Hauses die Wüstenhagener Straße ausgebaut und begradigt wurde. Der Vorbesitzer konnte danach ein Stück des ehemaligen Straßenlandes kaufen und so den Vorgarten vergrößern.
Als wir 1978 in dieses Haus zogen, war es noch von landwirtschaftlichen Nutzflächen umgeben. Recht bald wurde aber ein Industriegebiet hinter unserem Haus erschlossen, nicht immer zu unserem Vorteil, aber erträglich.
Leise ist es in unserem Gebiet nie gewesen – die Autobahn liegt unten im Tal, nur etwa 500 m von unserem Haus entfernt. Wir haben es genossen, nur eine halbe Stunde fahren zu müssen, um in der Kölner Innenstadt zu sein. Auch haben unsere Kinder die Buslinien auf der Lenneper Straße zur bequemen Fahrt in die Schule genutzt.
Hinter unserem Haus ist noch mal ein etwa 400 m² großes Stück Garten, das meine Frau Christiane mitgroßer Liebe pflegt. So ist am Ende doch so etwas wie eine kleine Idylle entstanden.
Donnerstag, 27. April 2023
Selle Berg het Belche gheiße
Das Röttler Schloss bei Lörrach |
Es hat den Titel „Die Vergänglichkeit“ und spielt des Nachts auf der Landstraße, die aus dem Schwarzwald hinaus in Richtung Basel führt. Dort sind zwei Bauern unterwegs, Vater und Sohn, und sprechen angesichts des gespenstisch über ihnen stehenden Röttler Schlossruine über die Zukunftsperspektiven ihres eigenen Hauses und schließlich über die Perspektiven der ganzen Welt.
Alles wird eines Tages vergehen, sagte der Vater, wird als Ruine dastehen, wie die auch heute noch vorhandenen Reste des Röttler Schlosses. Durch das Gespräch im alemannischen Dialekt und die Tatsache, dass die beiden auf einem Ochsenkarren sitzen und ihre Tiere mit lauten Rufen lenken müssen, erscheinen die finsteren Perspektiven in einem gewissermaßen abgemilderten Licht.
Am Ende erklärt der Vater dem Sohn, dass auch dieser eines Tages alt sein wird und von der Erde weg muss und dass er dann auf sie zurücksehen wird von einem fremden Stern. Er schaut von dort herab auf die verbrannte und unbewohnte Erde und sagt
Lueg, dört isch 'd’Erde gsi, und selle Berg
het Belche gheiße! Nit gar wit dervo
isch Wisleth gsi, dört hani au scho glebt
Schau, dort ist die Erde gewesen und dort der Berg
hieß Belchen! Nicht weit davon
ist Wieslet gewesen, dort habe ich auch schon gelebt
Und dann
und Stiere g’wettet, Holz go Basel g’füehrt,
und broochet, Matte g’raust, und Liecht-Spöh’ g’macht,
und gepflügt, Wassergräben gezogen und Holzspäne gemacht
und sagt am Schluss, dass er auf der Erde allerhand Spiele getrieben hat („g’vätterlet")
und g’vätterlet, bis an mi selig End,
und möcht iez nümme hi.
Dieses Loslassen der Erde, dieser letzte Abschied "und möchte jetzt nicht mehr hin“ ist für einen älteren Menschen wie mich ergreifend. Ja, so möchte ich auch auf einmal auf mein Leben zurückschauen können, froh über die guten Erinnerungen, aber auch entfernt genug, um nicht zurück zu wollen.
Das letzte Wort gilt dann den Ochsen, die den Wagen ziehen: nach links, Laubi, März!
Hüst, Laubi, März!
Noch sind wir hier auf der Erde beschäftigt.
Das ganze Gedicht kann man im Internet nachlesen. Eine Übersetzung und die Schilderung eines Besuches auf dem Röttler Schloss ist in einem Buch von Arnold Stadler zu finden „Johann Peter Hebel, Die Vergänglichkeit“.
Samstag, 22. April 2023
Meine Lehmpfuhl-Familie
August Lehmpfuhl (1852 bis 1931) |
Die auf dem Familientreffen versammelten Verwandten waren
überwiegend aus der vierten, fünften und sechsten Generation nach August
Lehmpfuhl. Von der dritten Generation, der Generation meiner Mutter, lebt niemand
mehr.
Wir trafen uns in der Baptistengemeinde im Berliner Ortsteil Weißensee, deren Kapelle 1910 noch unter der Ältestenschaft von August Lehmpfuhl gebaut
worden war. Am Abend saßen wir in der „Brotfabrik“, in der August tatsächlich
Brot gebacken, aber auch in einer Sonntagschule die örtlichen Kinder im christlichen
Glauben unterrichtet hatte. Weil auch der nachfolgende Besitzer des Gebäudes
viel für die Kinder des Viertels getan hatte, wurde das Gebäude erhalten und schon
zu DDR-Zeiten in ein Kulturzentrum umgewandelt.
Die Brotfabrik in Berlin-Weißensee |
berichtet. Er muss ein großzügiger und gastfreundlicher Mensch gewesen sein, ein Ältester seiner Gemeinde, ein community leader. Nach meinem Geschmack wurde seine Wirksamkeit ein wenig zu sehr auf die Vermittlung von schulischem Wissen gelegt (Lesen und Schreiben soll er den Kindern beigebracht haben) und weniger auf seine Bemühungen, den Kindern den Glauben an Jesus Christus näher zu bringen.
Schön war auf jeden Fall die Erinnerung an seine fromme
Mutter, die mit einem dem Alkohol verfallenen Schuster aus Köpenick neun Kinder
in die Welt gesetzt hatte, als dieser Mann auf ungeklärte Weise allzu früh
verstarb. Meine Großmutter Lina, jüngste Tochter des August Lehmpfuhl, hat uns
erzählt, ihr Großvater sei im Suff vom Weg abgekommen und ertrunken oder
erfroren, irgendwie.
Die mittellose Witwe war die erste in meiner Ahnenreihe, die
sich einer Baptistengemeinde anschloss. Sie hat dort sicherlich auch materielle
Unterstützung für sich und ihre unversorgten Kinder erfahren. Ihr Sohn August
war beim Tod des Vaters erst sechs Jahre alt. Er wird die Christengemeinde als
einen Sicherheit und Wärme bietenden Ort erlebt haben.
Viel später habe ich bei Charles Taylor gelesen, dass die
großen christlichen Veränderungen, die "Revivals" in den
angelsächsischen Ländern oft gerade von den Menschen getragen wurden, die dem
wirtschaftlichen Untergang entkommen waren, weil sie eine dramatische
Lebenswende vollzogen hatten. Sie lebten nach dieser Wende besonders streng,
das betraf nicht nur den Umgang mit Alkohol, sondern auch das Kartenspielen,
Tanzen und andere Vergnügungen.
Wenn diese Wende vollzogen war, konnte die nächste
Generation mit viel weniger dramatischen Vorschriften ein ruhiges und sicheres
Leben führen. Man konnte sich ab und zu ein Gläschen Wein leisten und auch
gelegentlich einmal den sonntäglichen Kirchgang ausfallen lassen.
So war es auch mit den Nachkommen von August Lehmpfuhl. An
diesem Wochenende waren Christen in den unterschiedlichsten Schattierungen
vertreten. Baptisten waren weiterhin vorhanden, einige Verwandte hatten
sich der großen evangelischen Kirche zugewandt, weil sie dort eine bessere
Liberalität zu finden hofften, andere waren ganz ohne Glauben.
Allen war gemeinsam, dass sie offenbar weit von dem
gefährlichen Leben entfernt waren, das der Schuster aus Köpenick, August
Lehmpfuhls Vater, geführt hatte. Der radikale Schritt der Mutter in ein bewusst
christliches Leben hinein hatte die Nachkommenschaft geschützt.
Christopher Lehmpfuhl |
Freitag, 7. April 2023
Naive Bibelleser
Ross Douthat |
In meinen Worten: er sieht die traditionelle Bibelleser aufgeteilt in die Kritischen (Typus Rudolf Bultmann) und die Gläubigen (Typus Billy Graham). Er setzt sie aber nicht gegeneinander, sondern fasst sie beide unter der Kategorie zusammen "in der Kirche aufgewachsen“. Er kontrastiert sie mit einer neuen Kategorie von Menschen, welche die biblischen Berichte ganz ohne kirchliche Vorbildung wie Fremde lesen.
ROSS DOUTHAT
A Naïve Reading of the Gospels May Be
Just What Christianity Needs
In the not-so-distant past
when 90 or 95 percent of Americans identified as Christian, it was hard for
almost anyone in that vast majority to read the Christian Gospels naïvely — to
come to them without preconceptions, in the way of their original intended
audience, a person hearing the “good news” about Jesus of Nazareth for the
first time.
Instead, almost everyone
encountered them first through either the structures of organized Christianity
— as a text for Sunday school and Bible study, the experience of the scripture
inseparable from the experience of church — or with the expectations set up by
Christianity’s overwhelming cultural influence.
In that world, even the work
of skeptical critique and academic deconstruction was mostly carried out by
people who had experienced the pious reading first and organized their own
interpretations against religious doctrines or cultural norms that they had
rejected or abandoned.
These dynamics persist for the
millions of people still raised within some form of Christian faith. But with
the rapid decline of institutional Christianity, the younger generations in
America now include large numbers of people who have only vague and secondhand
ideas about Matthew, Mark, Luke and John. So a more naïve encounter with the
New Testament may become more normal, on a much larger scale than in the past.
At both the popular and the academic level, more people will experience the
Gospels first as a form of testimony and storytelling that precedes any fully
realized set of doctrines or vision of the church.
As someone raised within
Christianity, I can’t tell you directly what that experience is like. But Lent
and especially Holy Week in my own Catholic Christianity provide a strong
encounter with the Gospel narrative, the raw text overshadowing the liturgical
and doctrinal elements more than usual. So it’s an appropriate time to
speculate about how the return of a more naïve reading might influence the
wider culture, its possible effects on the long debate between Christian
believers and would-be academic debunkers of the faith.
From its 18th- and
19th-century origins, the project of skeptically deconstructing the New
Testament, in search of a “Historical Jesus” distinct from the Christ of faith,
has often combined two distinct arguments. First, it has attacked the pious
assumption that the Gospels must be factually inerrant, perfectly historical,
accurate in every detail and pellucid in the doctrines they imply. Second, it
has moved from identifying specific problems in the texts, tensions and apparent
contradictions and arguable mistakes, to arguing that all the problems are
evidence that the Gospels must have been mostly composed long after the fact,
as theological texts rather than historical records, with relatively thin
connections to the events that they describe.
My speculation is that a naïve
reading of the Gospels tends to break these two arguments apart. The naïve
reader, going through the evangelists in order, will notice immediately much of
what the skeptics emphasize about the seeming imperfections of the texts. That
Jesus is given different genealogies in Luke and Matthew. That timelines and
details differ among the authors. That Jesus drives the money changers out of
the temple early in his ministry in the Gospel of John and just before his
crucifixion in the others. That Jesus in John’s Gospel talks differently, with
his long theological discourses, from Jesus in the other narratives.
Whether or not it’s possible
to resolve some of these issues, they present themselves directly to the
reader, and they don’t require any special training to pick up. And the naïve
reader will also intuitively understand, without needing to be historically
aware of the details, the debates about Jesus’ identity that consumed the early
church. The Gospels all present him as a messiah, clearly — but the question of
what that actually means is not completely or consistently answered in an
initial reading of the texts.
But the larger
deconstructionist argument — that the immediate issues with the Gospels indicate
that they’re long-after-the-fact creations, driven by agendas more than
memories — is very different: It’s a reading against the naïve reader experience.
By this I mean that you have
to go into the Gospels with a skeptical framework already to come away from
them feeling that the core narrative isn’t deeply rooted in eyewitness
testimony, in things that either the authors or their immediate sources really
experienced and saw. What C.S. Lewis once observed about the Gospel of John is
true of all four Gospels: You can say that the narratives represent a form of
memoir, or you can say that they’re an ingenious impersonation of personal
testimony that would tax the skills of a brilliant 20th-century novelist. But
the reader who thinks the narratives read like after-the-fact legend making,
Lewis rightly insists, “has simply not learned to read.”
And many of the details that
get cited as evidence against inerrancy, the difficulties and discrepancies,
are actually part of this memoiristic reading experience. Yes, the theological
discourses in John or the infancy narratives in Luke and Matthew might be read
as the products of later piety. But the more minute distinctions among the
Gospels, the differences in which day an event took place, on what timeline a
series of miracles transpired, with which witnesses and so on, are exactly what
you’d expect from testimonies that weren’t deliberately conformed to one
another by later authorities, that came direct from the people who remembered
the action, with all the variation that normal memory entails.
Likewise with all the deeds
and words from Jesus that led to endless theological wrangling later on because
of their ambiguities and uncertain implications. That wrangling happened (and
still happens) precisely because there’s so little theological smoothing
out within the Gospels, so few signs that the writers carefully imposed an
ideologically driven clarity on the experiences they set out to relate.
Indeed the texts themselves
self-advertise as having this imperfect, memoiristic quality. The Gospel of
Luke, for instance, is quite explicit that it’s a collation of different
testimonies “handed on” from eyewitnesses. The Gospel of Mark, by contrast,
reads much more like what the earliest Christian traditions claim it was: the
memories of the Apostle Peter dictated or transmitted to a younger scribe.
Read Mark together with the
other Gospels, and note how often the same story includes a telling detail,
like the literal Aramaic words Jesus uses while performing a healing — “talitha
cum” (“little girl, get up”); “ephphatha” (“be opened”) — that you would expect
Peter to remember but other recollections to neglect. Or read Mark’s Passion
side by side with John’s Passion — Peter’s denials more detailed in Mark, more
inside information and details about the scene around the cross in John — and
note how naturally the two accounts read like the same events narrated from two
distinct eyewitness perspectives.
Or, to take a different kind
of example, read John’s account of the water-into-wine miracle at Cana or the
raising of Lazarus. The miracles themselves fit with the Johannine author’s
theological perspective, his elevated view of Jesus’s divinity. But the way
Jesus performs the miracles is so human and un-godlike and complex — at once
irritated by and responsive to his mother’s cajolement at Cana, deliberately
delaying coming to Lazarus and then weeping at the tomb — that in each case the
natural reading is that this is a real remembrance of strange events, the
author’s or even
Mary’s, the memory more potent than any theological program.
That a particular reading of
the New Testament comes naturally doesn’t make that reading correct, of course
— especially where miracles and other wild supernatural business are involved.
But the natural reading in this case also has plenty of persuasive scholarship
on its side. (The best recent place to start is the 2006 book “Jesus and the
Eyewitnesses,” by the English biblical scholar Richard Bauckham.) Whereas the
more unnatural reading, the one that insists that the Gospels were largely
constructed later on, tends to lead to the constant problem of so much
historical-Jesus scholarship, where the supposed “real Jesus” is merely
reconstructed in the scholar’s own image, the memoirs of first-century Jews
replaced by the spiritual autobiographies of 19th- and 20th-century academics.
Thus my speculative
prediction: The decline of institutional Christianity and the return of more naïve
readings of Christian Scripture will lead to the decline of the
deconstructionist project, which has been propped up all these years by the
felt need to strike the strongest possible blow against ecclesiastical power
and tradition.
Take away that power, throw
people into the texts without an anticlerical preoccupation, and you won’t
immediately get a revival of Christian orthodoxy. But you may get much more
acknowledgment of what’s obvious each and every Easter: That in their immediacy
and mystery, their lapel-shaking urgency, their mixture of the mundane and the
impossible, the Gospels are at least — at the very least — the strangest story
ever told.
Montag, 3. April 2023
He’s Not Jesus, but He Plays Him on TV
He’s Not
Jesus, but He Plays Him on TV
Tish Harrison Warren
An Anglican priest reflects on matters of faith in private life and public
discourse.
I typically don’t like religious movies and TV shows. I find them corny or
mawkish, the kind of thing that certain believers feel they are supposed to
watch but that lack any real artistic merit or appeal. I truly hated Mel
Gibson’s “The Passion of the Christ.” But about a year ago, a friend of mine,
whose taste in art and culture I respect, recommended that I watch “The
Chosen,” a multi-season television series about the life of Jesus and those
around him. I watched it with my family. A couple of episodes in, we were
hooked.
Instead of a straight retelling of the Gospels, the series creates back
stories and extrabiblical subplots for Jesus’s disciples and critics. It began
as a small, crowdfunded project and has blossomed into a hit, soon heading into
its fourth season. The Times reported in December that it has been viewed by 108
million people globally and “has become a bona fide phenomenon in many parts of
Christian culture, attracting a fervent ecumenical fandom while remaining
almost invisible to others.” It’s also gained a bit of a reputation for being
liked by critics who, like me, don’t normally enjoy so-called Christian entertainment.
My family and I were drawn into the story — not an easy feat for a
2000-year-old plot that has been worn thin with familiarity. My 10- and
12-year-old daughters even asked if we could read the gospel stories again to
compare them with the show. The actors make characters like Jesus, Mary
Magdalene and Peter seem approachable and relatable, real people living
complicated lives. It feels more like a smartly written drama that happens to
have the incarnate God as a main character than a typical religious drama.
Jonathan Roumie plays Jesus in the series. Off the screen, he is a devoted
Roman Catholic who says he views his faith as “the core” of who he is. This
week, as Christians around the world celebrate Holy Week, which focuses on
Jesus’ final days and culminates in Easter next Sunday, I wanted to talk with
Roumie about how playing Christ has affected his life as both an actor and a
Christian. This interview has been edited and condensed.
Tish Harrison Warren: There’s been an enormous
positive response to “The Chosen.” How has that been for you? What’s it like
for millions of people to look at you as Jesus?
Jonathan Roumie: When you’re walking in the street and somebody calls out
to you as Jesus, the first reaction is like, That’s so bizarre. But, Oh, they
must be fans, is the thought that follows. It becomes super humbling and
strange. I’ve had to reconcile it with God and be like, “OK, you put me here.
So I guess I just have to get used to this.”
The first thing they want to do is get a picture and acknowledge your work.
But then it’s not just about the character you’re playing. It’s like, “Let me
tell you what this has meant to my personal faith,” and that’s when it becomes
bigger than I had ever imagined.
When people see celebrities, they may get excited. But
fans associate you with God. That’s a unique burden. They watch you heal people
on TV every week. There’s a different emotional response to that.
I’ll give you an example where it really affected me. I was promoting Jesus
Revolution at an event at SoFi Stadium. Security came over to me and said,
“Hey, there’s a woman outside and she has her son with her and he’s in a
wheelchair. Do you want to meet them?” I said, “Yeah, of course.” So I went out
and I introduced myself. We’re talking and she says to her son, “It’s Jesus
from ‘The Chosen.’ ” He had cerebral palsy where he couldn’t speak, but he
indicated that he recognized me. She said, “My son here has cerebral palsy. Our
favorite episode of ‘The Chosen’ is when they lower the man with cerebral palsy
through the roof to be healed by Jesus.” I noticed her choice of words. We
hadn’t said “cerebral palsy” in the series and in the Bible, the man is only
referred to as a “paralytic,” but she’d personalized the story in light of her
son’s experience. And she said, “We knew you were going to be here, and I
thought, wouldn’t it be great if God did that for my son?” And I kind of
panicked inside. I thought, I can’t do that. I don’t have that power. I said,
“It would be amazing if God healed your son. I, unfortunately, don’t have that
gift as far as I know, but I would love to pray for you and your son if that’s
OK.” And I prayed, thanked them, and hugged her son, and they seemed like they
were so happy. I turned around and I broke down into tears. Because I couldn’t
fulfill that expectation. There must have been, deep down, some kind of
disappointment. That was one of the hardest encounters for me. It still chokes
me up even thinking about it.
Very often, I don’t feel worthy of playing Jesus. I struggle with that a
lot. But I also acknowledge what God has done for my life as a result of
playing Christ and how God has changed my life.
On set in season one — it was the first time in the series where I actually
started preaching directly from Scripture as Jesus — I was standing at a
doorway looking onto a crowd of about 50 extras, dressed as people coming to
hear the teacher. This overwhelming anxiety swept over me. I had to tell Dallas
Jenkins, the creator of our show, “Hey, man, can we stop for a minute?” He
said, “Why?” I said, “Because I don’t feel worthy to be saying these words right
now.” He pulled me aside and said, “Listen, man, none of us are worthy to be
here doing this, but God has chosen you and I and everyone else here to tell
this story at this time. So know that you are meant to be here.”
Throughout the process of doing the series, my faith life has increased.
I’ve found more ways to pray. I’m constantly trying to get closer to God, and
to get a lot more of him into my life, and get rid of more of myself, to be as
much of an open vessel as I can.
In “The Chosen,” when Jesus heals people, his response
is laughter and joy. I find that Jesus is often portrayed in art and film as
kind of a stoic sufferer — aloof and silent. And you’re a warm, laughing Jesus.
Was that something you decided with the director, or did that just happen
naturally for you?
I think God, recognizing the joy of one of his children being healed and
having a heart full of gratitude would be delighted. What father or mother upon
seeing their child healed and now relieved of pain or suffering, does not take
delight in that?
Jesus was fully divine and fully human. Just by the nature of a scripted
television series and the breadth of the story that we’re attempting to tell,
it is written very human. The show is about the relationships between Jesus and
his disciples. Relationships are often little things — actions, laughs, winks,
nudges. Specifically, with healing, the series allowed me to really step into
my imagination and think about what God must feel like when he heals people.
And my first instinct is to be delighted in their relief. I believe Jesus would
have experienced the completeness of the emotional spectrum on an exponential
level to an ordinary human. The fullness of suffering, the fullness of joy, the
fullness of happiness, the fullness of pain.
You recently played a lead role as Lonnie Frisbee in
the film “Jesus Revolution,” which hit theaters in February. Is it different to
approach the role of a regular human being, like Lonnie Frisbee, versus Jesus?
Christians claim that Christ was without sin. That seems very different than
our experience of the world. Is it hard to play someone with no sin?
I can lend more of my own flawed humanity to a character like Lonnie
Frisbee than I ever could for Jesus. Jesus’ humanity is the best and purest
qualities of the emotional spectrum. Happiness, sadness, joy. If there’s anger,
it’s righteous anger. If there’s wrath, it’s righteous wrath, because it’s
God’s wrath, God’s sense of justice.
There’s a temperedness that has to exist when playing those stronger and
harsher emotions, because it can never get out of control. Jesus is always in
control. And if he’s angry, then he’s earned it. We know from Scripture when he
flipped tables for the money changers, that was because there were thousands of
visitors on the Passover that were being taken advantage of by the tax
collectors and the money changers on temple grounds. That kind of anger is
coming from such a pure place of righteousness and justice. It never devolves
into anything that sacrifices the purity of his humanity.
With other characters, if a guy’s angry and wants vengeance, he says things
he shouldn’t say. I’ve been in that position. I know what it’s like to be
really annoyed with somebody and to say something that I shouldn’t have said
and have to go and apologize. Jesus didn’t have that.
There has to be a lot more control when playing Jesus versus other
characters. It’s actually more freeing to play human characters than it is to
play Christ. The nature of the challenge to be like Christ is so much greater!
At the end of the day, I prefer to spend more time being closer to Jesus, because
my life just gets better when I try to emulate him more.
The show has received criticism for making up
extrabiblical stories and embellishing the Bible. What do you think of that?
This is a television show. It’s inspired by the Gospels, and many scenes
are direct translations from the Gospels.
That said, there are many instances in Scripture where some characters
appear for a sentence or two, or some really dramatic things happen that are
succinctly described with no unnecessary information, no description of
people’s state of mind or emotions. It’s just the crux of what you need to
know. That wouldn’t make for a very good television show.
We expand upon that in a creative way, just as any of the painters of the
Renaissance created scenes of art. It would be like somebody saying to
Michelangelo: “You can’t put that tree there. We don’t know that it was there.”
We have to have a similar kind of approach to creative expression.
All of it is meant to act sort of as an icon to point us in the direction
of God and the Holy Scriptures. It’s not meant to replace the Bible or replace
Scripture. It’s a creative interpretation of the Scriptures that does, in my
opinion, a very fine job of honoring them and their intention.
We take such great pains to that end, that we have a biblical consultation
staff: a messianic rabbi, an evangelical theologian and a Catholic priest. I
mean, they get the script before we even get the scripts! And if it seems like
something is going to be a little too off the mark, then it comes out.
How has playing Jesus shaped and changed your own
faith? Has playing the person that you see as God himself shaped how you
approach God?
It does. It has made me consider him in a variety of contexts that make him
more accessible to me. By playing him, getting to explore all of these
scenarios, imagining what it must have been like to have been there with him,
to be one of the disciples walking alongside him. What was it like when they
camped out? When they had to get food? How did he eat? Considering all of these
things forces you to examine day-to-day life and recognize that Christ can
identify with my humanity because he accepted humanity as the God of the
universe. And what kind of humility does that take? And how much more humility
can I bring into my own life by following his example?
Tish Harrison Warren (@Tish_H_Warren) is a priest in the Anglican Church in North America and the author of “Prayer
in the Night: For Those Who Work or
Watch or Weep.”